Slut - Still No 1
veröffentlicht am 25. Januar 2008 von Jörg
Vier Jahre Wartezeit, kurz unterbrochen von der “Dreigroschenoper”-EP, die aus rechtlichen Gründen nie zu einem vollen Album werden durfte, sind vorbei und so gibt es nach allen Gerüchten und Verlautbarungen über eine Trennung nun mit “StillNo1” doch wieder ein Lebenszeichen einer der besten Bands unseres Landes.
Der Albumtitel mag einer gewissen, auch mir nicht fremden, Ironie geschuldet sein, mutet aber trotz interpretatorischen Wohlwollens etwas zu pubertär an. Dies gilt für die Musik zum Glück nicht, auch wenn Reife bei dem sechsten Album kein unnatürlicher Zustand ist und oftmals mit Langeweile und Ausgelaugtsein der Künstler einhergeht. Bei SLUT dagegen nicht, denn ihre Reife auf “StillNo1” klingt wirklich ideenreich, zum Teil wagemutig und irgendwie auch frisch, selbst wenn der Entstehungsprozess des Albums bestimmt kein leichter war.
Klar ist die Instrumentierung reichhaltiger geworden und so dürfen Bläser, Streicher und Akkordeon begrüßt werden, aber das ist im internationalen Vergleich ja keine Seltenheit. Die von einigen Seiten kolportierten großen Änderungen findet man aber nicht, was den einen oder anderen vielleicht etwas enttäuschend erscheinen mag, für mich dagegen nicht, denn SLUT haben das Potential ihrer Musik noch nicht ausgeschöpft.
Trotzdem ist “StillNo1” jetzt kein Meilenstein, das von homogenen Klassikern der Musik nur so strotzt. Vielmehr haben sich SLUT weiterentwickelt, trauen sich was und fahren in ihrem eigenen Bus.
In diesem sind die Insassen von recht unterschiedlicher Natur. Auf der einen Seite sitzen die Frischen, gut Gelaunten (der eigentliche Opener ‘Come On’, ‘Odds And Ends’ das etwas cheesige ‘Better Living’ und ‘Tomorrow Will Be Mine’), die Singles aus den 80ern (‘If I Had A Heart’) und die Schönen (‘Wednesday’, das irgendwie an Roman Fischer erinnert und das als Bonustrack im Duett mit der weiblichen Dillon noch schöner ist). Auf der anderen Seite die Überflüssigen (das Intro ‘Sum It Up’), die Langweiligen (‘Failed On You’) und die Unscheinbaren (‘Ariel’, ‘Say Yes To Everything’). Dazwischen die, von denen man nicht genau weiß, was man von ihnen halten soll (‘Still No 1’, ‘Work Hard And Be Nice To People’), wobei sich besonders letztgenannter als einer von der guten Seite erweist.
Das mag jetzt alles nach etwas zuviel Kritik klingen, aber SLUT zählen nun mal zu den wenigen deutschen Bands, für die man sich im Ausland nicht schämen muss und aus diesem Grunde sind die angelegten Maßstäbe dann vielleicht etwas andere.
Wer das Album beim bösen Saturn kauft, erhält übrigens drei Bonustracks. Diese Art der Belohnung verdient allerdings einen Schlag auf die Finger der fünf Ingolstädter. (Virgin)
Kategorie: About Albums
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Robby Z. am 29. Januar 2008, 16:11
Gar nicht so schlecht, diese Kritik.
Aber bei allem Verständnis: Überflüssiges, Langweiliges und Unscheinbares finde ich auf der CD keinesfalls!
Klar, höre ich “Sum it up” allein für sich, frage ich mich auch: Watt soll’s?
Höre ich das Stück aber als Intro, quasi als Ouvertüre, dann ergibt es schon einen Sinn: es stimmt auf die dann folgende Performance ein.
Natürlich wird es immer so sein, dass einem das eine Stück mehr gibt, das andere weniger.
Aber langweilig war und ist mir nicht, auch nicht beim 20. und beim 30. Hören der CD “Still No.1”.