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Veröffentlichung: 22. August


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Nada Surf - Lucky



Gibt es eigentlich Menschen, die das sympathische Trio aus New York nicht mögen? Kann ich mir einfach nicht vorstellen, aber irgendwie weckt sympathisch auch schnell die Nachbarn “nett” und “lieb”.

Nun also mit “Lucky” bereits der fünfte Streich und wenn man die beiden ersten Songs ‘See These Bones’ (mit Ben Gibbard als Gastsänger) und ‘Whose Authority’ als Maßstab nimmt, keimt die Hoffnung, dass sie an ihr Masterpiece “Let Go” heranreichen, was mit dem letzten Werk “The Weight Is The Gift” ja nur bei einigen, etwas zu wenigen, Songs der Fall war.

Danach kommen in Form des Schlagers ‘Beautiful Beat’ und dem etwas zu leichten ‘Here Goes Something’ erste Zweifel am Horizont auf, die “Lucky” bis kurz vor Schluß des Albums auch nicht mehr loswerden soll. ‘Weightless’ mit Ed Harcourt am Piano bringt wieder Sonnenschein und zeigt, dass Nada Surf respektive Matthew Caws noch immer zu den sehr guten Songwritern zählen, auch wenn sie nicht ganz in der Liga von The Shins und Death Cab For Cutie spielen, aber derartige Vergleiche sind wohl nicht ganz fair.

Balladesk kommt ‘Are You Lightning?’ daher und ‘I Like What You Say’ ist im positiven Sinne eine typische Nada Surf – Nummer, die zwar ein Lächeln, aber keine Jubelstürme auslöst.

Manchmal möchte ich Matthew Caws einfach sein Ringelshirt der Sympathie runterreißen, aber dann gibt es wieder die Momente, in denen seine Songs selbst mein hartes Herz erweichen. Der Mittelteil kann aber doch nicht wirklich glücklich machen und zum Glück bringt der Ausklang mit ‘The Fox’ und ‘The Film Did Not Go`Round’ (Duett mit Lianne Smith) noch zwei dieser wunderschönen Juwelen zum Vorschein, die Nada Surf auf etwas untypischeren Gefilden zum Funkeln bringen.

Irgendwie können mir Nada Surf die Zweifel wieder nicht ganz nehmen, dass sie ihr Potential nie bis zum Letzten ausschöpfen und vielleicht sind sie mit sich und der Welt so zufrieden, dass sie wenig Leid zu verarbeiten haben… (City Slang)

Nada Surf & Rogue Wave als Doppelpack live:
27.02. Köln – Live Music Hall, 28.02. Hamburg – Grünspan, 29.02. Berlin – Columbia Club, 01.03. München – Backstage

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"About Songs" morgen wieder im Grünen Jäger



Diesmal begrüßen wir Whip = Jason Merritt = Sänger/Songwriter von Timesbold im Rahmen von “About Songs” im Grünen Jäger.

Dieser wird morgen auch recht pünktlich auf die Bühne gehen, da es mal wieder eine kleine Doppelbuchung gab und im Anschluß noch ein Elektro-Trash-Künstler spielen wird.

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Slut - Still No 1



Vier Jahre Wartezeit, kurz unterbrochen von der “Dreigroschenoper”-EP, die aus rechtlichen Gründen nie zu einem vollen Album werden durfte, sind vorbei und so gibt es nach allen Gerüchten und Verlautbarungen über eine Trennung nun mit “StillNo1” doch wieder ein Lebenszeichen einer der besten Bands unseres Landes.

Der Albumtitel mag einer gewissen, auch mir nicht fremden, Ironie geschuldet sein, mutet aber trotz interpretatorischen Wohlwollens etwas zu pubertär an. Dies gilt für die Musik zum Glück nicht, auch wenn Reife bei dem sechsten Album kein unnatürlicher Zustand ist und oftmals mit Langeweile und Ausgelaugtsein der Künstler einhergeht. Bei SLUT dagegen nicht, denn ihre Reife auf “StillNo1” klingt wirklich ideenreich, zum Teil wagemutig und irgendwie auch frisch, selbst wenn der Entstehungsprozess des Albums bestimmt kein leichter war.

Klar ist die Instrumentierung reichhaltiger geworden und so dürfen Bläser, Streicher und Akkordeon begrüßt werden, aber das ist im internationalen Vergleich ja keine Seltenheit. Die von einigen Seiten kolportierten großen Änderungen findet man aber nicht, was den einen oder anderen vielleicht etwas enttäuschend erscheinen mag, für mich dagegen nicht, denn SLUT haben das Potential ihrer Musik noch nicht ausgeschöpft.

Trotzdem ist “StillNo1” jetzt kein Meilenstein, das von homogenen Klassikern der Musik nur so strotzt. Vielmehr haben sich SLUT weiterentwickelt, trauen sich was und fahren in ihrem eigenen Bus.

In diesem sind die Insassen von recht unterschiedlicher Natur. Auf der einen Seite sitzen die Frischen, gut Gelaunten (der eigentliche Opener ‘Come On’, ‘Odds And Ends’ das etwas cheesige ‘Better Living’ und ‘Tomorrow Will Be Mine’), die Singles aus den 80ern (‘If I Had A Heart’) und die Schönen (‘Wednesday’, das irgendwie an Roman Fischer erinnert und das als Bonustrack im Duett mit der weiblichen Dillon noch schöner ist). Auf der anderen Seite die Überflüssigen (das Intro ‘Sum It Up’), die Langweiligen (‘Failed On You’) und die Unscheinbaren (‘Ariel’, ‘Say Yes To Everything’). Dazwischen die, von denen man nicht genau weiß, was man von ihnen halten soll (‘Still No 1’, ‘Work Hard And Be Nice To People’), wobei sich besonders letztgenannter als einer von der guten Seite erweist.

Das mag jetzt alles nach etwas zuviel Kritik klingen, aber SLUT zählen nun mal zu den wenigen deutschen Bands, für die man sich im Ausland nicht schämen muss und aus diesem Grunde sind die angelegten Maßstäbe dann vielleicht etwas andere.

Wer das Album beim bösen Saturn kauft, erhält übrigens drei Bonustracks. Diese Art der Belohnung verdient allerdings einen Schlag auf die Finger der fünf Ingolstädter. (Virgin)

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"About Songs" - Radioshow



Heute gibt es wieder, wie jeden vierten Mittwoch im Monat, “About Songs” auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) oder hier – von 18-19 Uhr.

Die Playlist wie immer vorab, damit ihr wißt, was euch so erwartet:

The Charlatans – For Your Entertainment
Slut – If I Had A Heart
Björn Kleinhenz – Fast & Slow
Minor Majority – Wish You`d Hold That Smile
Steve Earle – Down Here Below
Clara Luzia – Morning Light
Miss Li – Oh Boy
Chris & Carla – Never Gonna Fall
Murder – Naming The Demon
Alela Diane – The Pirates Gospel
Eels – Spunky
Timesbold – Old Hannah
The Von Bondies – Mairead
Murder – Feast In My Honor

Viel Spaß!

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Eurosonic-Festival - Groningen



Kaum hat das neue Jahr begonnen, stand natürlich auch gleich das “Eurosonic”-Festival in Groningen wieder vor der Tür. Wie in jedem Jahr ist der Donnerstag und Freitag eher internationalen Bands vorbehalten, während sich der Samstag dann auf niederländische Künstler konzentriert und “Noorderslag” nennt.

Wer eh noch nie in Groningen war, sollte sich das vielleicht für das nächste Jahr gleich mal vornehmen, denn nicht umsonst wird es hier und da auch als “Little Amsterdam” bezeichnet und das gilt nicht nur für die schöne Architektur, die sich vor allem im Stadtkern befindet, sondern ebenso für die teilnehmenden Konzertclubs. Klar konnte ich nicht ganz alle ca. 250 spielenden Künstler/Bands sehen, so dass die folgenden Zeilen eine Essenz meiner subjektiven und persönlichen Auswahl ist.

The Kissaway Trail (DK), die vor einiger Zeit ihr tolles Debüt-Album über das englische Label Bella Union veröffentlicht haben, sollten den Anfang bilden. Die fünf Dänen legten eine erfrischende Spielfreude an den noch jungen Abend. Mit teilweise fünf-stimmigem Gesang, drei Gitarren und einem Grinsen im Gesicht hatten sie die Leute schnell auf ihrer Seite. Ihre Musik ist eine Art The Flaming Lips auf Emo, hier und da von besseren Muse umrahmt und zum Glück wird die Prise Emo nie über Gebühr beansprucht, auch wenn ihnen dieser Teil sichtlich gut gefällt.

Beim Eurosonic ergeben sich recht viele Hypes über “Mund-zu-Mund-Propaganda” und einer dieser war das britische Duo The Ting Tings deren Unfähigkeit und Langeweile mich aber nach nur drei Songs aus dem Laden trieben – don`t believe the hype!

Um dem Abend den nötigen Kontrast zu gönnen, ging es dann zu Hanne Hukkelberg (NO) ins wunderschöne Stadsschouwburg, einer Theaterlocation, wo die Zuschauer auf der Bühne stehen und die Musiker auf einer im Zuschauerraum gebauten Bühne, in deren Hintergrund die antiken Logen ein atemberaubendes Bild abgeben. Die Norweger sind zwar nur zu fünft auf der Bühne, bedienen aber während ihres Konzerts an die 30 (!) Instrumente, die zumindest als zum Teil recht ungewöhnlich zu bezeichnen sind: Glockenspiel, Tuba (lange nicht gesehen), Schreibmaschine, Fahrrad, Castagnetten, Mülleimerdeckel, etc. Die wunderschöne Stimme von Hanne Hukkelberg sowie das erwähnte Ambiente liessen die Show zu einem imposanten Ereignis werden und mich innerlich “Quiet Is The New Loud” – der von ihren Landsmännern Kings Of Convenience geprägten Zeile – schreien. Das diesjährige Eurosonic-Festival legte den Schwerpunkt auf Künstler aus Schweden und so ging es dann zur Show von Friska Viljor, die ja bei uns schon bekannter sind als bei unserem Nachbarn. Der nicht arg große Club war rappelvoll, so dass ein paar Leute an andere Clubs verwiesen werden mussten und die fünf Schweden starteten die Show dann als Duett mit dem Album-Opener ‘Shotgun Sister’. Die Leute fingen langsam an zu tanzen und plötzlich war es wie immer, denn Friska Viljor ist einfach Party pur. Was machen eigentlich die Bands aus Deutschland? Dieser Frage wollte ich dann am nächsten Abend als erstes nachgehen, indem Get Well Soon auf meinem Zettel standen. Gerade ist das Debüt-Album erschienen und wird überall abgefeiert, u.a. Platte des Monats im MusikExpress und Visions. Das Huis de Beurs war ganz ok gefüllt und gleiches galt für die kleine Bühne, die einem Septett doch nicht so viel Platz läßt. Den Vorschußlorbeeren konnten sie dann zum großen Teil gerecht werden, denn auch wenn nicht alle Songs überzeugen konnten, so konnte es ihre Eigenständigkeit, der sonore Gesang sowie der Ideenreichtum in jedem Fall. Ein kleiner Wehrmutstropfen bei uns Deutschen ist leider meist der sprichtwörtliche Stock im Arsch, der sich auch bei Get Well Soon etwas unlocker auswirkte. Da können sie sich vielleicht ein Stückchen des selbstbewussten Kuchens der Skandinavier abschneiden.

Da wir gerade bei Vorschußlorbeeren sind, durfte ein kleiner Abstecher zu The Heavy (GB) nicht fehlen, aber irgendwie tue ich mich mit den neuen GB-Hypes etwas schwer und ihr Sound aus Funk, Soul und ein bisschen Rock war zwar halbwegs nett anzusehen, aber irgendwie so eigenständig wie eine AC/DC-Coverband. Vielleicht aber einfach nicht mein Fall…

Und dann das! Wieder zurück im schönsten Venue Stadsschouwburg sollte das größte Energiebündel des Kontinents spielen, das ich nur vom myspace-Teufel kannte: MISS LI aus Schweden, die dort in einem Jahr mal eben drei Alben veröffentlicht hat und für zwei Grammies nominiert war…. Fünf leicht skuril wirkende Musiker (Schlagzeug, Contrabass, Gitarre, Trompete, Saxofon, Klarinette) spielten gerade ein Intro, als aus dem Nichts eine Wuchtbrumme die Bühne im Sprint enterte, sich ans Piano setzte und zu singen anfing. Das Mikro hielt aber nicht und so wiederholte sie die Prozedur ihres Erscheinens gleich noch mal und hatte gleich den ganzen Laden auf ihrer Seite. Eine derart unglaubliche Wolke der Sympathie schlug ihr über den ganzen Auftritt entgegen, wobei sie vor allem ein Problem hatte, denn sie kann nicht still sitzen, was ihrer Performance als singende Pianistin ja vielleicht nicht gerade entgegenkommen mag. So hüpft sie auf und ab wie ein Flummi, unterbricht die Songs druch lustigste Ansagen und freut sich auf jede Solo-Einlage der Musiker, da sie dann einfach nur tanzen kann. Ich dachte, ich hätte schon fast alles gesehen, aber diese Frau zauberte ein Lächeln auf das Gesicht aller Anwesenden, dass man sich vorkam wie auf einem anderen Stern. Ihre Musik ist Pop aus einer anderen Zeit, unglaublich eigenständig und mit Mut zu großer Dramatik, Jazz, Chanson, Swing, Blues und immer wieder Pop. Miss Li ist wirklich ganz großes Entertainment und der absolute Gewinner des Festivals. Wie sollte das noch getoppt werden? Gar nicht, aber trotzdem ging es ins Grand Theatre, denn es war Zeit, sich mal hinzusetzen und die Seele baumeln zu lassen. Clara Luzia aus Österreich war da ein guter Anlaß. Im Mittelpunkt stand eine gewisse, nicht unsympathische Unsicherheit, und die Songs des zweiten Albums “The Long Memory”. Auch wenn ich nicht an Außerirdische glaube, so waren die Bewegungen des sehr deutsch aussehenden Bassisten Manfred nicht von der Erde.

Den Abschluß im selben Theater bildete dann Andi Almqvist (SE), dessen Ausstrahlung und Musik etwas Böses an sich hat. Die Musik würde ich mal als “Nick Waits for Tom Cave” bezeichnen und hatte schon etwas Surreales: ein Kontra-Bassist der nach Black Metal aussieht, ein Schlagzeuger, der den kleinen Strolchen meets James Cagney entliehen war und einer Geigerin, die nie lächelnd einen Zigeunerfluch unter die Leute zu bringen versuchte. Bandchef Andi vereinigte dann all diese Charaktere auf sich und so kam das Gefühl, den Teufel vor sich zu haben, nicht von ungefähr. Manches Mal etwas zu nah an den erwähnten Vorbildern, aber doch irgendwie beeindruckend!

So, das soll es vom diesjährigen Eurosonic gewesen sein und auch wenn es natürlich nicht die musikalische Qualität des SXSW-Festivals in Austin hat, so gibt es großartige Bands zu entdecken, die mich sehr mit ihrer Eigenständigkeit und Ideen meistens überzeugt haben, auch wenn man sich diese Rosinen schon genau aus der Vielzahl an Bands herauspicken muss.

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