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Veröffentlichung: 11.11.2011


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Scout Niblett - This Fool Can Die Now



Mit Frauen und Musik ist das ja immer so eine Sache, oder? Ja, die einen werfen mir jetzt wieder Chauvinismus vor, die anderen stimmen in den Kanon mit ein. Mir kommen nun mal viel zu viele Sängerinnen mit zu bravem Gesang daher und genau aus diesem Grunde geht es jetzt um Scout Niblett, der man das nun wirklich nicht vorwerfen kann.

Es gibt Stellen, da sträuben sich einem die Nackenhaare auf unruhige Weise, und diese gesanglichen Ausbrüche lassen einen sofort (na ja!) an Oskar aus der “Blechtrommel” denken. Dabei versteht es Scout Niblett auf ihrem bereits vierten Album “This Fool Can Die Now” ihre Stimme so variabel wie noch nie einzusetzen: mal ruhig und abwartend sowie melancholisch, dann etwas bedrohlicher werdend, dann die vermeintliche Wut nur noch herausschreiend. Gut so, denn nur “Blechtrommel”-Momente wären wohl etwas zu viel des Guten!

Schon im ersten, großartigen Song ‘Do You Want To Be Buried With My People’ merkt der geneigte Hörer, dass hier männliche Gesangsverstärkung am Start ist. Die Stimme gehört keinem geringeren als Bonnie ‘Prince’ Billy oder auch Will Oldham genannt, und diese wunderbaren Duette – es gibt insgesamt vier auf dem Album – zählen zu den besten und intimsten der jüngeren Musikgeschichte.

Mit dem zweiten Song und zweiten Duett namens ‘Kiss’ ist schon einer der absoluten Höhepunkte erreicht. Hier ist nicht nur der dramatische Aufbau des Songs zu nennen, sondern die mehr als passende Produktion, bei der alle Instrumente klar und eigen klingen. Für eben diese war Mr. Steve Albini zuständig, der ja für sehr unterschiedliche Künstler gerarbeitet hat, aber hier mal wieder zeigt, wo seine Stärken liegen: kein Bombast und doch fett, emotional und organisch, dann wieder reduziert und raum-wie luftlassend. Außerdem darf das Schlagzeug auch mal ganz bewusst rumpeln wie bei ‘Moon Lake’.

Bei den nächsten beiden Songs holt Scout dann mal kurz das Grunge-Brett raus, bevor sie sich selbst mit ‘Black Hearted Queen’ Tribut zollt, denn genau das ist sie! ‘River Of No Return’, wieder im Duett mit Herrn Billy, huldigt dann eine andere Dame namens Marliyn Monroe, denn genau diese hat diese Ballade früher gesungen, wenn auch nicht so schön wie hier.

‘Nevada’ ist dagegen ein Monster, denn schön und süß geht anders. Hier schreit uns die Dame des Hauses klagende Worte ins Gesicht, die, unterlegt mit harten Riffs und ebensolchem Schlagzeug, sicher weniger dazu führen, ihr in einem schlechtgelaunten Moment zu begegnen. Bei ‘Baby Emma’ geht sie dann stimmlich wieder an ihre hohen Grenzen und singt davon, wie nutzlos sie ist. Wäre schön, wenn ein paar andere Frauen auch diese Einsichtsfähigkeit hätten. Markerschütternd!

‘Yummy’ und ‘Dinosaur Egg’ kommen dann als verdiente Verschnaufpausen daher, wobei vor allem letzterer zu den Favoriten zählt – “Torture Spirit” halt.

Nun geht dieses intensive Album mit dem reduziert anfangenden ‘Hide And Seek’ seinem Ende entgegen, bevor nochmals alles rausgeroz/ckt wird. Bonnie ‘Prince’ Billy meldet sich auf dem Van Morrison – Cover ‘Comfort You’ zum letzten Mal zu Wort und die Piano-Ballade ‘Fishes And Honey’ beschließt es und lässt und etwas verstört, aber mehr als begeistert mit unseren Impressionen und Gefühlen alleine zurück.

Britisch klingt das alles zum Glück überhaupt nicht und vielleicht ist Scout Niblett aus genau diesem Grunde in die neue Musikhauptstadt Portland gezogen. Wir wissen es nicht genau, aber was wir wissen und hiermit kundtun, ist die Anwesenheit der Lady für ein paar Shows. Ich bin sehr gespannt, ob ihre Stimme live Gläser zum zerbersten bringen wird. (Too Pure)

01.12. München – “Bavarian Open Festival”, 02.12. A-Wien – Chelsea, 04.12. Leipzig – UT Connewitz, 05.12. Berlin – Lido, 10.12. Hamburg – Übel&Gefährlich, 12.12. Köln – Gebäude 9

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