Krachkeks-Kolumne Folge 30 "re-united"
veröffentlicht am 26. November 2007 von Jörg
Wenn ich eine Band hätte, würde ich sie “Re-united” nennen, denn das hätte den Vorteil, dass der Name ständig in der Presse auftauchen würde. Dieser nicht ganz ernst gemeinte Marketing-Trick resultiert aus der Tatsache, dass uns eine Menge Bands mit ihren überflüssigen Reunions mal so richtig auf den Sack gehen.
Die Eagles haben nach 28 Jahren wieder ein Album veröffentlicht, das natürlich genau so klingt, als wären sie nie weg gewesen. The Jesus & Mary Chain arbeiten an einem neuen Album, das sich so anhören soll wie The Jesus & Mary Chain, ach! Genesis, The Police, Led Zeppelin (ok, vorerst nur für ein Konzert!), Smashing Pumpkins, Pixies, Dinosaur Jr., Duran Duran, Spice Girls und viele weitere Bands, die ich hier nicht alle aufzählen möchte.
Kann man diesen Bands einen Vorwurf machen? Sie werden älter, der Erfolg weniger und auch wenn die Tantiemen noch immer fliessen, so kann der häufig sehr hohe Lebensstadard doch nur schwer gehalten werden. Außerdem fehlt doch auch Ruhm und Anerkennung, denn zu Hause sitzt selten eine Horde von Fans vor der Tür, die einen immer noch jeden Tag zujubeln. Erfolg ist wie eine Droge, die man auf Dauer halt nicht vermissen mag.
Aus Bandsicht ist diese Entwicklung natürlich verwerflich and anklagbar, vor allem, weil doch keine dieser Band künstlerisch noch viel zu sagen hat. Wenn die kranken Medien da draußen sich dann wie die Hyänen auf diese ach so tollen Neuigkeiten stürzen, ist der nächste Schritt ins Unglück schon getan. Könnte sich nicht wenigstens der “Fan” oder “Endkonsument” diesem überflüssigen Phänomen verweigern und diese Zusammenführungen einfach ignorieren?
Klar könnte er das, aber damut würde man dem Mob einfach zuviel Eigenständigkeit und Niveau zutrauen. Außerdem haben viele dieser latenten Musikverachter nun mal ihre beste Zeit längst hinter sich und zufällig stammen die meisten dieser “Reunionsbands” genau aus der Zeit ihrer vermeintlichen Hochphase. Man ging viel aus, tanzte bis in den Morgen und hatte so richtig Spaß. Nun ist man träge, interessiert sich nicht mehr für neue Künstler und ihre Musik, hat eh ein paar Kilo zu viel auf der Hüfte und alles Neue ist einfach zu anstrengend.
Soll ich diesen geistig verarmten Menschen nicht vielleicht meinen Segen geben und sie sich einfach freuen lassen, dass ihre Lieblingsbands wieder zurück sind? NEIN! Vielmehr strafe ich sie mit Verachtung und Ignoranz, die sie natürlich nicht mal bemerken. Was gibt es für großartige Bands? White Rabbits, Delta Spirit, Band Of Horses und ca. 120 weitere, von denen der Mob nie etwas gehört hat und wahrscheinlich auch nie etwas hören wird. Macht mich das traurig? Irgendwie nicht, denn diese satte Brut des Konservatismus hat es einfach nicht besser verdient.
Allen anderen sei gesagt, geht raus, entdeckt neue Bands und ignoriert diese unsäglichen “wir brauchen wieder Geld”-Spielchen. Natürlich möchte ich nicht nur Ignoranz predigen, denn vielleicht gibt es unter all diesen “Reunions”-Bands auch die eine oder andere, die tatsächlich noch was zu sagen hat und ein gutes Album erschafft, aber auf diese Ausnahme muss man wohl noch warten, bis das nächste Beatles-Album in Originalbesetzung erscheint.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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