Band Of Horses - Cease To Begin
veröffentlicht am 19. Oktober 2007 von Jörg
Vor kurzem noch geschrieben, dass das neue Okkervil River – Album weitaus positiver daherkommt als sein Vorgänger, so lässt sich dieses Phänomen auch bei dem zweiten Band Of Horses – Album “Cease To Begin” beobachten. Vielleicht ist positiv etwas irreführend, denn “zufrieden” trifft die Stimmung wahrscheinlich um einiges besser.
Zum Aufnehmen des neuen Albums ist Ben Bridwell mit seinen zum Teil neuen Mannen dafür zurück in seine Heimat South Carolina gegangen und wenn man die Band Of Horses schon mal live gesehen hat, weiß man, dass sie vor allem dann gut sind, wenn sie sich wohl fühlen. Zum Wolhfühlen also zurück in die Entspanntheit der Heimat und raus aus dem doch recht großstädtischen Seattle. Das belegen auch die beigelegten Naturaufnahmen…
Da sich bei dieser großartigsten neuen Band ein Vergleich zum genialen Debüt “Everything All The Time” verbietet, betrachten wir uns die neuen Songs mal etwas näher. Der Opener ‘Is There A Ghost’ zeigt schon die Einzigartigkeit dieser Band, die in Europa natürlich nie den großen Durchbruch schaffen wird.
Große Melodien, dominiert von Bridwells “Falsett”-Gesang und einer mangelnden Hektik, wie wir sie hier auf dem alten Kontinent nie erschaffen könnten.
‘Ode To LRC’ schaltet dann gleich mal einen Gang zurück und versetzt ein in Zusammenhang mit dem Betrachten der schon erwähnten Landschaftsbilder aus South Carolina in eine Wehmut, die den Wunsch nährt, doch Teil des Gebildes Band Of Horses zu sein. “The world is such a wonderful place” – so was könnte ich nie über meine Lippen bringen!
‘No One’s Gonna Lova You (More Than I Do)’ sorgt für die nächste Gänsehaut und ich frage mich, ob Mr. Bridwell überhaupt weiß, was für GROSSE Melodien er da schreibt? Das kann er nicht wissen, denn sonst würde er darüber nachdenken und sich selbst unter Druck setzen und wenn dieses Album irgendetwas nicht ist, dann ist es nicht unter Druck entstanden.
‘Detlef Schrempf’ ist sicher keine Widmung an den Basketballsport an sich, aber zum einen hat er ja bei den Seattle Supersonics gespielt und zum anderen könnte man ihn insofern mit Band Of Horses vergleichen, da er ähnlich unprätentiös agiert, sich selbst nie in den Vordergrund stellt und zu Bescheidenheit neigt. All dies gilt auch für den gleichnamigen Song.
‘The General Specific’ fröhnt dann den Südstaaten-Klängen mit Handclaps, Banjo, etc. und was bei anderen Bands schnell parodierend wirkt, passt sich hier wunderbar ins Gesamtbild ein und man traut sich hier mal zu einem kleinen Lächeln. ‘Islands On The Coast’ kann dann vielleicht als etwas schwächerer Song bezeichnet werden, aber dieses Attribut darf man im Zusammenhang mit dieser Band einfach nicht verwenden, da viele Musiker selbst für die vermeintlichen, in Nuancen etwas “schwächeren” Songs, bestimmt töten würden. ‘Marry Song’ zollt dann der Country-Blues-Ballade Tribut und ein derartiger Song entsteht halt auch eher in South Carolina als in Seattle, oder?
Zum Abschluß von “Cease To Begin” – sehr passender Albumtitel übrigens – wird zunächst ‘Cigarettes, Wedding Bands’ kredenzt, der zu den absolut stärksten Momenten zählt, den die Musikgeschichte erlebt hat. Klar neige ich jetzt vielleicht zu einiger Übertreibung und Euphorie und ich weiß nicht, ob ich mich freue, dass diese Band nur sehr wenigen Menschen vorbehalten bleiben wird, oder mich ärgern, dass das so ist?
Mit ‘Window Blues’ entlassen uns Band Of Horses dann und sorgen dafür, dass man am Ende des Albums erstmal eine 10-minütige Gedenkpause einlegen muß, bevor man dieses monumentale Stück Musik wieder und wieder hören muß.
“Cease To Begin” und natürlich auch sein Vorgänger haben uns eine Band von einem anderen Stern gebracht oder kann South Carolina einen derartigen Einfluß auf die Kunst einer Band haben? Ich wünsche mir, dass Band Of Horses sehr, sehr lange neue Songs schreiben werden, denn diese Gefühle dürfen einfach nicht aufhören. (Sub Pop)
Kategorie: About Albums
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Felse am 24. Oktober 2007, 12:07
Ein mehr als sensationelles Album. Dudelt rauf und runter. Haben in unsrer Radihow auch die gleichen Lieder wie du laufen lassen. Witzig;-)
Schönen Gruß
Felse