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Veröffentlichung: 11.11.2011


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Krachkekskolumne Folge 27 "Unwissen"



Natürlich mag es etwas grenzwertig anmuten, sich über Kommentare und Leserbriefe in Tageszeitungen aufzuregen, aber auch wenn das Ignorieren dieser manches Mal gesünder ist, so stecken unter meiner Haut nun mal Emotionen und Gefühle und wenn diese mit unwissenden Füssen getreten werden, rege ich mich auch auf.

Worum geht es hier eigentlich? Ein Kommentar in einer Hamburger Tageszeitung der letzten Tage meinte, sich mal dem Niedergang der Musikbranche annehmen zu müssen und neben mehr als banalem Einerlei stellte er der Musikbranche die Rettung in Aussicht. Dieser intelligente Mensch ist auf die fast schon geniale Idee gekommen, dass es ja seit Einführung der CD keinen neuen Massentonträger gegeben hat und eine technische Neuerung hier doch wohl alle Probleme lösen würde.

Dies möchte ich hier arroganter Weise auch gar nicht diskutieren, denn FAKT ist nun mal leider, dass der physische Tonträger auf lange Sicht entweder ganz ausstirbt oder nur noch als Nischenprodukt gefragt ist. Das Rufen nach einem neuen Tonträgerformat ist somit naiv, überflüssig und fern jeder Realität und der Wunsch, dass sich dann bei einem neuen Format die Konsumenten all ihre alten CDs nun nochmals in “remasterter” Version holen, hat zwar schon mal von Vinyl auf CD funktioniert, ist aber im digitalen Zeitalter nur noch als weltfremd zu bezeichnen.

Mich juckte es natürlich sehr in den Fingern, da mal einen dieser beknackten Leserbriefe zu schreiben, aber würde mich jemand dieser Mainstream-Mob-Leser überhaupt verstehen oder hauen sie mir ihre Unwissenheit nicht noch viel “doller” um die Ohren? Von wegen “schlafende Hunde wecken” und so?

Ich entschied mich dagegen und sparte meine Kraft für diese Kolumne, aber am nächsten Tag war tatsächlich ein Leserbrief zu diesem Thema abgedruckt. Diesen auch nur annäherned wörtlich wiederzugeben, kommt aber nicht in Frage, denn dafür war die Sprache doch etwas zu einfach. Tenor dieses Halbhirnes war aber das Kundtun seines mangelnden Mitleids für die Musikbranche, den ich auch nachvollziehen kann, aber mit einer Argumentation, die mir die Zornesröte ins Gesicht schlug und ich mich seitdem wieder mit der Frage beschäftige, ob ich nicht doch noch Profi-Killer werden soll.

Dieser Schreiber war nämlich von der argumentativen Einfalt “die da oben stecken sich die Taschen voll und wir armen Leute bekommen nichts ab” – “nichts” wäre für diesen Menschen dabei aus meiner Sicht aber noch viel zu viel, denn “die Plattenfirmen nutzen die Künstler doch eh nur aus, um Profit zu machen” und ähnliche Klischees mögen in Einzelfällen mal richtig gewesen sein, aber wem es ausschließlich um Profit geht, ist in der Musikbranche seit geraumer Zeit völlig fehl am Platz. Wer hat bloß noch so ein flaches Gedankengut?

Ich hoffe nicht viele, glaube aber eher daran, dass die “Media-Marktisierung” mittlerweile zu weit fortgeschritten ist, als dass das Gute obsiegen wird. Vielmehr werden ihm da draußen bestimmt die meisten Menschen noch zustimmen, denn da draußen kennt man keine Indie-Labels, man kennt keine kleinen Live-Clubs, man kennt keine Bands wie Modest Mouse, White Rabbits oder Okkervil River, man liest keine Bücher, man liest lieber, wie ich in diesem Fall auch…, Tageszeitungskommentare von Hauptschülern, die von der Materie zum ersten Mal gehört zu haben scheinen.

Vielleicht sollte ich mich auch einfach mal bei einem Modemagazin bewerben, um von etwas zu schreiben, von dem ich keine Ahnung habe, denn wahrscheinlich steckt darin gerade der Sinn und diese haltlosen, von Halbhirnen geschriebenen Kommentare sind dazu da, dass ein Dummbrot einen Leserbrief schreibt und Menschen wie ich mich dann darüber aufregen und der Chefredakteur sich vor Lachen nicht mehr auf dem Stuhl halten kann.

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  1. Kommentare

    :o))

  2. Kommentare

    Dann werden wir, die für und mit und von der Musik leben, uns wohl irgendwann in einen Massenselbstmord begeben müssen, weil wir sonst nur noch untergebuttert, eh nicht verstanden und am Ende als Ketzer hingestellt werden. Wenn dann aber der letzte Song einer von Okkervil River ist, dann sterb ich gern für eine gute Sache ;)!

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