Reeperbahnfestival
veröffentlicht am 2. Oktober 2007 von Jörg
Eigentlich wäre es ja mal wieder Zeit für eine “Krachkekskolumne” und vielleicht hätte der eine oder andere das Thema “Reeperbahnfestival” auch gerne da eingeordnet gesehen. Da es aus meiner Sicht aber viel zu wenig Negatives zu sagen gibt, ist das auch kein Anlaß, um richtig Krach zu machen.
Nun also zum Reeperbahnfestival Part II und als Vorab-Resümee sei gesagt, dass die Kinderkrankheiten des ersten Jahres zu einem sehr großen Teil ausgemerzt wurden. So kosteten die 3-Tages-Tickets mit 56 € rund 30% weniger, die Anzahl der Clubs sowie die der Bands wurde etwas reduziert, wodurch die musikalische Ausrichtung homogener wurde. Der Zeitplan wurde meist sehr genau eingehalten, was vielleicht hier und da als “spießig” empfunden wurde, für ein derartiges Festival aber notwendig und sinnvoll ist, da sich Musikfans wie ich ja einen exakten Timetable ausarbeiten und diesen möchte man ja nicht bei der ersten Band über den Haufen schmeißen. Für diese positiven Aspekte schon mal ein großes LOB an die Veranstalter.
Ein kleiner Wehrmutstropfen ist sicherlich das Wetter gewesen, wofür die Veranstalter dann aber ja nur sekundär verantwortlich zu machen sind. Den Konzertgänger an sich hat es zwar gestört, aber nicht gehindert, den Konzertgänger, der sich auch für Poster interessiert allerdings schon. Gab es “Flatstock” im letzten Jahr noch im Zelt, so waren die wenigen Teilnehmer diesmal an einzelnen Ständen unter freiem Himmel zu finden und wer kauft sich schon ein Poster im strömenden Regen?
Wünschenswert wäre hier, den Freitag und Samstag auf dem Spielbudenplatz einfach für ein Programm zu nutzen, das nachmittags schon beginnt mit Musik auf den Bühnen, so dass neben “Flatstock” vielleicht auch noch die eine oder andere Idee, z.B. eine Fotoausstellung, davon profitieren kann.
Das Wichtigste sollte aber natürlich die Musik sein und das Programm gefiel mir schon mal wesentlich besser als im letzten Jahr. Klar ist aber auch, dass man sich mit dem Vorbild SXSW in Austin nicht messen kann. Die Qualität der Bands ist in den USA einfach wesentlich größer und natürlich kann man nicht mal eben 100 US-Bands einfliegen, um in kleinen oder mittleren Clubs zu spielen. So müssen wir nun mal mit sehr vielen skandinavischen Künstlern Vorlieb nehmen und diese sind ja nicht immer der Kreativität letzter Schluß. Dass es aber auch sehr gute Bands gibt, zweifel ich bestimmt nicht an und in diesem Jahr konnten Anna Ternheim, Friska Viljor, Murder, Shout Out Louds oder die Figurines überzeugen.
Die Auswahl der 131 Bands kann sicher weiterhin verbessert werden, aber wenn ich höre, dass einige schon nach “großen Headlinern” rufen, so kann ich dem nur ein lautes NEIN entgegen schreien, denn zum einen würde das finanziell den Rahmen sprengen und zum anderen hat dann jemand das Konzept des Reepernbahnfestivals nicht verstanden. Es geht darum, beonders neueren Indie-Bands ein Forum zu geben und sie der musikbegeisterten (!) Öffentlichkeit vorzustellen. Dies sollte mit einigen etablierteren Bands angereichert werden, aber Konzerte großer Bands gibt es ja schließlich genug und haben in diesem Zusammenhang auch nichts zu suchen.
Nochmals sei gesagt, dass das Reeperbahnfestival schon im zweiten Jahr von den Musikfans angenommen wird und somit ein Standing erreicht hat, wie man es sich vielleicht erhofft, aber kaum erwarten konnte. Bestimmt gibt es auch noch Kritikpunkte, aber festhalten sollten wir die positive Entwicklung und die große Freude auf 2008.
Kategorie: About Shows
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