Boy Omega - Hope On The Horizon
veröffentlicht am 13. September 2007 von Jörg
Die schwedische Hauptstadt der Melancholie meldet sich wieder auf eindrucksvolle Art. Nein, es ist nicht von Stockholm die Rede, wo es auch bestimmt viele melancholische Musiker gibt, aber noch mehr fröhliche, die dem eher rockigen Pop fröhnen. Die schwedische Hauptstadt der Melancholie heißt aber Göteborg.
Was das weibliche Quartett Audrey im letzten Jahr mit ihrem Debüt “Visible Forms” geschaffen hat, das gelingt nun auch Boy Omega, wobei “Hope On The Horizon” mitnichten das Debüt ist, denn da gab es noch zwei Vorgänger, die allerdings noch wesentlich folkiger waren und auch keinem Bandkonzept entsprachen, wie es jetzt der Fall mit dem Neuling ist. Natürlich ist Boy Omega noch immer zur Hauptsache Martin Gustafsson, aber neben einem festen Stamm von Musikern waren hier auch diverse Gäste von besagten Audrey, Tiger Lou oder Book Of Daniel mit von der Partie.
Der Opener, der mit einem Eingeständnis beginnt, gibt schon mal die Richtung vor, die als opulent instrumentierte Melancholie (nicht nur in dieser Kritik eines meiner liebsten Wörter!) daherkommt. Klar sind auch beim ziemlich Bläser durchsetzten ‘The Blues And The Bee Sting’ einige Parallelen zu Connor Oberst und seinen Bright Eyes auszumachen, aber vom Niveau her kann diesem auch durchaus das berühmte Wasser gereicht werden. Ein Fan vom Saxofon werde ich aber nicht mehr und ziehe definitiv die Trompete vor.
Ein großer Unterschied zu Connor Oberst sind vor allem die doch eher kurzen Texte, die aber nicht mit weniger Eindringlichkeit gesungen werden. Mir gefallen ja die ruhigeren Songs wie ‘Pocket Knife’ oder ‘The Good Times’ besser, da sie einfach noch tiefer gehen und die Traurigkeit in der Stimme von Gustafsson einem erst dann richtig unter die Haut geht. Die fröhlicheren Songs sind hier und da für meinen Geschmack noch einen Tick zu folkig, aber sicherlich tun sie der Homogenität und Klasse von “Hope On The Horizon” keinen großen Abbruch.
Zwei Songs müssen hier aber noch etwas exponiert heraus-gehoben werden, da sie zum Besten zählen, was es an Musik überhaupt gibt. Zum einen ‘Tonight I`m Swimming’, ein wunderschöner Song, der an eine ebensolche Welt glauben lässt – “it shouldn`t end like this” – da kann man eigentlich nicht richtig zustimmen, denn wenn es so endet, ist doch alles gut, oder?
Zum anderen ‘True Haven’, der dem Album ein mehr als würdiges Ende verleiht, flüsternd und schleppend beginnt, dann aber in eine um so eindringlichere Trompeten-Hookline mündet – habe doch gesagt, dass Trompete viel besser ist – um dann leise wieder nur die flehende Stimme in den Vordergrund zu stellen, dem Piano etwas dezenten Platz einräumt, und dann das große Finale, wo sich alle Instrumente und Stimmen des Albums nochmals vereinen, so dass man nach Verhallen von “Hope On The Horizon” auf den imaginären See schaut und kaum glauben kann, dass das Leben jetzt weitergehen soll. (Glitterhouse)
Kategorie: About Albums
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