Okkervil River - The Stage Names
veröffentlicht am 6. September 2007 von Jörg
Es ist ja immer so eine Sache, wenn eine der absoluten Lieblingsbands auf diesem Planeten ein neues Album veröffentlicht. Auf der einen Seite die Vorfreude, die größer nicht sein könnte, auf der anderen Seite die Skepsis, dass das Niveau nicht gehalten werden kann.
Okkervil River aus Austin, Texas zählen für mich in die Kategorie “Lieblingsbands” und so ist mir auch ihr neues und damit fünftes Album, auch wenn sie das erste nicht so wirklich mitzählen, “The Stage Names” eine Herzensangelegenheit.
Verwundert reibt man sich zunächst die Augen, dass die einschlägige Musikpresse gar nicht genug Lob über eine Band wie Okkervil River ausschütten kann, deren erste Alben sie völlig ignoriert hat und nun so tut, als wären sie von Anfang an dabei gewesen. Fakt ist, dass das Meisterwerk “Black Sheep Boy” einfach von diesen Medien mehr oder weniger total verpennt wurde und nun plötzlich Superlative als Wiedergutmachung herhalten sollen.
So, jetzt dann doch mal ans neue Werk rangewagt. “The Stage Names”, und da haben die Kritiker recht, ist schon mal um einiges fröhlicher als die vorigen Alben, aber genau diese Tatsache legt einen Hauch der Skepsis über das Album. Schließlich ist es die melancholische Sehnsucht in der Stimme und den Songs von Will Sheff, die meine Liebe geweckt hatten und nun drohen sie mit Liebesentzug?
Der Opener ‘Our Life Is Not A Movie Or Maybe’ ist grandios und gehört zum Besten, was die zur Zeit als Septett fungierende Band bisher erschaffen hat. Das Break mitten im Song mag den einen oder anderen stören, ist letztlich aber nur genial und beweist, dass sie nie zu einer langweiligen Pop-Band hiesigen Zuschnitts mutieren werden. Auch ‘Unless It`s Kicks’, das schon richtig uptempo ist, lässt keinerlei Groll oder Zweifel aufkommen, dass “The Stage Names” schwächer als der Vorgänger ist oder will mir das leicht Banale des Songs nur nicht auffallen?
‘A Hand To Take Hold Of The Scene’ zeigt zwar, dass Okkervil River nie einen schlechten Song schreiben werden, aber wo kommt nur die Fröhlichkeit plötzlich her? Dieses womöglich Zuviel an Fröhlichkeit. Mit ‘Savannah Smiles’ schalten sie dann einen Gang zurück, es wird etwas bedächtiger, aber zu den Höhepunkten zählt der Song nicht. ‘Plus Ones’ stellt dann anfangs wieder den Gesang eines der besten Sänger in den Vordergrund, erreicht aber auch nie die Tiefe von ‘Black Sheep Boy’ oder ‘So Come Back, I`m Waiting’ vom letzten Album.
‘A Girl In Port’ versöhnt, auch wenn es ja nicht viel zu versöhnen gibt, mit einem geradezu flehenden Will Sheff, dem aber nun vielmehr als früher eine gewisse Entspanntheit nachgesagt werden kann. Vielleicht ist es ja so ein bisschen das Ungestüme und Ausbrechende, das mir fehlt. ‘You Can`t Hold The Hand Of A Rock And Roll Man’ verstehe ich mit seinem 08/15-Riff dann aber erstmal gar nicht – ist es vielleicht den Südstaaten-Roots geschuldet? Kein Höhepunkt!
So, noch zwei Songs, dann ist es auch schon wieder vorbei. Den Semi-Abschluß bildet ‘Title Track’, was natürlich ein lustiger Titel ist, aber ein gar nicht so lustiger Song. Das sind sie, wie ich sie am meisten liebe: melancholisch, schleppend, mit Breaks durchsetzt, flehend, brüchig, eigen, eigenartig und vor allem tief-emotional. Ein Höhepunkt!
Das endgültige Finale bildet dann ‘John Allyn Smith Sails’, das neben seiner Reduziertheit vor allem durch die Beach Boys-Reminiszenz ‘Sloop John B.’ sein würdiges Ende findet.
Natürlich gehört “The Stage Names” wieder zu den besten Alben des Jahres. Ich möchte hier also nicht mißverstanden werden, wenn bonsai-große Zweifel mich zu dem Ergebnis kommen lassen, dass “Black Sheep Boy” ihr bisheriges Meisterwerk war und dieses nun nur ein großartiges Album geworden ist. (JagJaguwar)
Nicht zu vergessen, dass man auch die Vorgänger des Vorgängers “Don`t Fall In Love With Everyone You See” (2002)und “Down The River Of Golden Dream” (2003) besitzen und Okkervil River live sehen muss:
20.11. München – Registratur, 22.11. Frankfurt – Brotfabrik, 24.11. Münster – Gleis 22, 25.11. Köln – Prime Club, 26.11. Berlin – Lido (w/ Julie Doiron), 27.11. Hamburg – Knust (w/ Julie Doiron)
Kategorie: About Albums
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