"About Songs" - Radiohow
veröffentlicht am 25. September 2007 von Jörg
Sorry, wenn ich mich die letzten Tage auf dieser Seite etwas kürzer gefasst haben sollte, aber zum einen war gerade Popkomm und zum anderen steht ja jetzt das Reeperbahnfestival vor der Tür.
Dieses findet vom 27.-29.09. statt und so steht auch die morgige “About Songs”-Radiosendung ganz im Zeichen des Reeperbahnfestivals, d.h. Songs von guten Bands, die da auftreten, stehen im Vordergrund. Daneben dann natürlich das neue Album der grossartigen Okkervil River!
Wie immer von 18-19 Uhr auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) oder im Netz unter hier
Sir Simon Battle – Safety First
Okkervil River – Our Life Is Not A Movie Or Maybe
Say Hi – These Fangs
Siva – Gift Of Reading Palms
Murder – When The Bees Are Sleeping
friska viljor – oh oh
Plus – Scales & Schemes
Boy Omega – Tonight I`m Swimming
Anna Ternheim – Lovers Dream
The Far Cries – East Side Story
Johnossi – Man Must Dance
The Decemberists – Summersong
Okkervil River – Title Track
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Boy Omega - Hope On The Horizon
veröffentlicht am 13. September 2007 von Jörg
Die schwedische Hauptstadt der Melancholie meldet sich wieder auf eindrucksvolle Art. Nein, es ist nicht von Stockholm die Rede, wo es auch bestimmt viele melancholische Musiker gibt, aber noch mehr fröhliche, die dem eher rockigen Pop fröhnen. Die schwedische Hauptstadt der Melancholie heißt aber Göteborg.
Was das weibliche Quartett Audrey im letzten Jahr mit ihrem Debüt “Visible Forms” geschaffen hat, das gelingt nun auch Boy Omega, wobei “Hope On The Horizon” mitnichten das Debüt ist, denn da gab es noch zwei Vorgänger, die allerdings noch wesentlich folkiger waren und auch keinem Bandkonzept entsprachen, wie es jetzt der Fall mit dem Neuling ist. Natürlich ist Boy Omega noch immer zur Hauptsache Martin Gustafsson, aber neben einem festen Stamm von Musikern waren hier auch diverse Gäste von besagten Audrey, Tiger Lou oder Book Of Daniel mit von der Partie.
Der Opener, der mit einem Eingeständnis beginnt, gibt schon mal die Richtung vor, die als opulent instrumentierte Melancholie (nicht nur in dieser Kritik eines meiner liebsten Wörter!) daherkommt. Klar sind auch beim ziemlich Bläser durchsetzten ‘The Blues And The Bee Sting’ einige Parallelen zu Connor Oberst und seinen Bright Eyes auszumachen, aber vom Niveau her kann diesem auch durchaus das berühmte Wasser gereicht werden. Ein Fan vom Saxofon werde ich aber nicht mehr und ziehe definitiv die Trompete vor.
Ein großer Unterschied zu Connor Oberst sind vor allem die doch eher kurzen Texte, die aber nicht mit weniger Eindringlichkeit gesungen werden. Mir gefallen ja die ruhigeren Songs wie ‘Pocket Knife’ oder ‘The Good Times’ besser, da sie einfach noch tiefer gehen und die Traurigkeit in der Stimme von Gustafsson einem erst dann richtig unter die Haut geht. Die fröhlicheren Songs sind hier und da für meinen Geschmack noch einen Tick zu folkig, aber sicherlich tun sie der Homogenität und Klasse von “Hope On The Horizon” keinen großen Abbruch.
Zwei Songs müssen hier aber noch etwas exponiert heraus-gehoben werden, da sie zum Besten zählen, was es an Musik überhaupt gibt. Zum einen ‘Tonight I`m Swimming’, ein wunderschöner Song, der an eine ebensolche Welt glauben lässt – “it shouldn`t end like this” – da kann man eigentlich nicht richtig zustimmen, denn wenn es so endet, ist doch alles gut, oder?
Zum anderen ‘True Haven’, der dem Album ein mehr als würdiges Ende verleiht, flüsternd und schleppend beginnt, dann aber in eine um so eindringlichere Trompeten-Hookline mündet – habe doch gesagt, dass Trompete viel besser ist – um dann leise wieder nur die flehende Stimme in den Vordergrund zu stellen, dem Piano etwas dezenten Platz einräumt, und dann das große Finale, wo sich alle Instrumente und Stimmen des Albums nochmals vereinen, so dass man nach Verhallen von “Hope On The Horizon” auf den imaginären See schaut und kaum glauben kann, dass das Leben jetzt weitergehen soll. (Glitterhouse)
Kategorie: About Albums
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Krachkeks-Kolumne Folge 26 "The Police in Hamburg"
veröffentlicht am 12. September 2007 von Jörg
Nein, dies wird jetzt kein Live-Review, denn zum einen würde es sonst ja unter “About Shows” auftauchen und zum anderen würde es wenig Sinn machen, da ich gar nicht in der HSH Nordbank Arena war.
Vielmehr habe ich heute diverse Tageszeitungen durchgeblättert und möchte mich hier gar nicht an die banalen Kritiken erinnern, die ich auch hätte schreiben können, wenn ich nicht dabei gewesen wäre, was ich ja auch nicht war. Es geht vielmehr um die Kommentare der interviewten Fans, die mir das Müsli fast noch mal durch den Kopf haben gehen lassen….
Man wird das Gefühl nicht los, dass die Menschen zum Kauf von Tickets gezwungen werden. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass sich jeder zu den doch recht hohen Ticketpreisen auslassen musste. Wurden sie von den Interviewern etwa dazu gezwungen? Das würde einem guten Journalisten eher nicht gerecht werden, auch wenn es in der Zunft der Tagespresse-Journalisten ja wohl viele schwarze Schafe gibt. Was haben die “Fans” denn erwartet? Dass sich The Police reunieren, um für 15 € zu spielen? Wäre zwar schön, aber so naiv kann man doch gar nicht sein.
Klar haben 2/3 des Trios schon länger keinen Erfolg mehr gehabt, aber die Tantiemen fließen weiter, so dass sie es bestimmt nicht nötig haben, aus finanziellen Gründen noch mal den großen Reibach (wer ist eigentlich der große Reibach?) zu machen.
Wenn jemand das Gefühl hat, dass die Tickets viel zu teuer sind, habe ich einen guten Tip: Einfach nicht kaufen! Meines Erachtens besteht noch kein Kaufzwang zu derartigen Tickets und so ist es doch jedem frei gestellt, was ihm das Konzert wert ist. Sich hinterher aber über die Preise aufzuregen, ist doch mal richtig arm. Vielleicht hätten sie auch was zum Konzert sagen sollen, aber so richtig toll hat es ihnen dann wohl nicht gefallen, wenn der Eintrittspreis bei den Kommentaren doch die Hauptrolle spielt.
Der Gipfel war dann mal wieder erreicht, als ein saudummes Huhn, wahrscheinlich “kaufmännische Angestellte”, meinte, dass die Tickets zwar zu teuer waren, aber dass das ja immer so ist. Wo lebst Du, Mädel?
Natürlich lebt sie in einer verkommerzialisierten Mainstream-Gesellschaft, in der weder nach links, noch nach rechts geschaut wird, in der ausschließlich Musik aus dem unsäglichen Radio konsumiert wird, in der Parfum bei Douglas und Klamotten bei H&M gekauft werden, in der man ab und zu “schick” essen geht, in der man sich zur Informationsaufnahme höchstens mal die “Tagesschau” anguckt und in der frau dann im Fitnessstudio in der Gala blättert.
Dass es eine Kultur neben Live-Konzerten in Stadien gibt, ist dieser Frau noch nicht aufgefallen und damit steht sie bestimmt auch nicht alleine im Wald rum. Dass es Bands gibt, die in kleinen Clubs für 3-4 € spielen, dass es etwas größere Bands gibt, die in etwas größeren Clubs für 8-18 € spielen und dass es noch größere Bands gibt, die in noch größeren Clubs für 20-30 € spielen, ist dieser Frau völlig unbekannt.
Ich habe Angst! Ich habe Angst, dass ich dieser Frau bei irgendeinem Geburtstagsbrunch über den Weg laufen werde und mir nichts bleibt, als ihr dann das Gesicht mit einer Indie-CD zu zerkratzen, denn dann würde sie sich nur noch in kleine, dunkle Clubs trauen und feststellen, dass dort Bands für einen völlig akzeptablen Preis spielen.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Okkervil River - The Stage Names
veröffentlicht am 6. September 2007 von Jörg
Es ist ja immer so eine Sache, wenn eine der absoluten Lieblingsbands auf diesem Planeten ein neues Album veröffentlicht. Auf der einen Seite die Vorfreude, die größer nicht sein könnte, auf der anderen Seite die Skepsis, dass das Niveau nicht gehalten werden kann.
Okkervil River aus Austin, Texas zählen für mich in die Kategorie “Lieblingsbands” und so ist mir auch ihr neues und damit fünftes Album, auch wenn sie das erste nicht so wirklich mitzählen, “The Stage Names” eine Herzensangelegenheit.
Verwundert reibt man sich zunächst die Augen, dass die einschlägige Musikpresse gar nicht genug Lob über eine Band wie Okkervil River ausschütten kann, deren erste Alben sie völlig ignoriert hat und nun so tut, als wären sie von Anfang an dabei gewesen. Fakt ist, dass das Meisterwerk “Black Sheep Boy” einfach von diesen Medien mehr oder weniger total verpennt wurde und nun plötzlich Superlative als Wiedergutmachung herhalten sollen.
So, jetzt dann doch mal ans neue Werk rangewagt. “The Stage Names”, und da haben die Kritiker recht, ist schon mal um einiges fröhlicher als die vorigen Alben, aber genau diese Tatsache legt einen Hauch der Skepsis über das Album. Schließlich ist es die melancholische Sehnsucht in der Stimme und den Songs von Will Sheff, die meine Liebe geweckt hatten und nun drohen sie mit Liebesentzug?
Der Opener ‘Our Life Is Not A Movie Or Maybe’ ist grandios und gehört zum Besten, was die zur Zeit als Septett fungierende Band bisher erschaffen hat. Das Break mitten im Song mag den einen oder anderen stören, ist letztlich aber nur genial und beweist, dass sie nie zu einer langweiligen Pop-Band hiesigen Zuschnitts mutieren werden. Auch ‘Unless It`s Kicks’, das schon richtig uptempo ist, lässt keinerlei Groll oder Zweifel aufkommen, dass “The Stage Names” schwächer als der Vorgänger ist oder will mir das leicht Banale des Songs nur nicht auffallen?
‘A Hand To Take Hold Of The Scene’ zeigt zwar, dass Okkervil River nie einen schlechten Song schreiben werden, aber wo kommt nur die Fröhlichkeit plötzlich her? Dieses womöglich Zuviel an Fröhlichkeit. Mit ‘Savannah Smiles’ schalten sie dann einen Gang zurück, es wird etwas bedächtiger, aber zu den Höhepunkten zählt der Song nicht. ‘Plus Ones’ stellt dann anfangs wieder den Gesang eines der besten Sänger in den Vordergrund, erreicht aber auch nie die Tiefe von ‘Black Sheep Boy’ oder ‘So Come Back, I`m Waiting’ vom letzten Album.
‘A Girl In Port’ versöhnt, auch wenn es ja nicht viel zu versöhnen gibt, mit einem geradezu flehenden Will Sheff, dem aber nun vielmehr als früher eine gewisse Entspanntheit nachgesagt werden kann. Vielleicht ist es ja so ein bisschen das Ungestüme und Ausbrechende, das mir fehlt. ‘You Can`t Hold The Hand Of A Rock And Roll Man’ verstehe ich mit seinem 08/15-Riff dann aber erstmal gar nicht – ist es vielleicht den Südstaaten-Roots geschuldet? Kein Höhepunkt!
So, noch zwei Songs, dann ist es auch schon wieder vorbei. Den Semi-Abschluß bildet ‘Title Track’, was natürlich ein lustiger Titel ist, aber ein gar nicht so lustiger Song. Das sind sie, wie ich sie am meisten liebe: melancholisch, schleppend, mit Breaks durchsetzt, flehend, brüchig, eigen, eigenartig und vor allem tief-emotional. Ein Höhepunkt!
Das endgültige Finale bildet dann ‘John Allyn Smith Sails’, das neben seiner Reduziertheit vor allem durch die Beach Boys-Reminiszenz ‘Sloop John B.’ sein würdiges Ende findet.
Natürlich gehört “The Stage Names” wieder zu den besten Alben des Jahres. Ich möchte hier also nicht mißverstanden werden, wenn bonsai-große Zweifel mich zu dem Ergebnis kommen lassen, dass “Black Sheep Boy” ihr bisheriges Meisterwerk war und dieses nun nur ein großartiges Album geworden ist. (JagJaguwar)
Nicht zu vergessen, dass man auch die Vorgänger des Vorgängers “Don`t Fall In Love With Everyone You See” (2002)und “Down The River Of Golden Dream” (2003) besitzen und Okkervil River live sehen muss:
20.11. München – Registratur, 22.11. Frankfurt – Brotfabrik, 24.11. Münster – Gleis 22, 25.11. Köln – Prime Club, 26.11. Berlin – Lido (w/ Julie Doiron), 27.11. Hamburg – Knust (w/ Julie Doiron)
Kategorie: About Albums
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Portugal. The Man - Knust (Hamburg)
veröffentlicht am 4. September 2007 von Jörg
Noch nicht einmal 4 Monate ist es her, dass Portugal. The Man im Knust gespielt hatten, auch wenn ihr großartiges, zweites Album “Church Mouth” zu dem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht war. Nun also die Zugabe und nach allen Lobeshmynen in der hiesigen Presse, war es fast etwas enttäuschend, dass nur 80 Leute mehr da waren als beim letzten Mal.
Zunächst galt es aber, der Berliner Band SIVA zu lauschen, die immer für Überraschungen gut sind und sogar etwas verwirren. Waren sie zuletzt als Trio Support von Voxtrot, so kamen sie nun als Duo daher. Dies war aber weitaus gelungener, da man ohne Bass halt die Drums auch nicht sooo doll vermisst. Die Atmosphäre war sehr entspannt und sie kredenzten uns die Songs ihres an The Notwist und zum Teil Radiohead erinnernden Debüts “the story is complete, but i think we`ve lost the book”.
Um die Verwirrung komplett zu machen, sei darauf hingewiesen, dass sie am kommenden Dienstag, 11.09. im Grünen Jäger, tatsächlich als Quartett spielen, bevor sie dann am 27.09. in der Prinzenbar wieder als Duo spielen….
Dann kam das live zu einem Quintett angewachsene Trio Portugal. The Man auf die Bühne und man hatte gleich das Gefühl, dass diese sehr eigenständige Band angekommen ist. Mit einer Selbstverständlichkeit fingen sie mit ihren Semi-Hits des Debüts an, bevor es dann in diverse Jam-Sessions überging, die aber niemals nur als Selbstzweck fungierten, sondern immer wieder zum Song zurückkehrten und gerade die Laut-Leise-Momente perfekt gespielt wurden.
Etwas verwunderlich ist noch immer die Tatsache, dass Sänger John Gourley seitlich zum Publikum steht, ein Hut sein Gesicht derart verdeckt, dass man nichts von diesem sieht und viele ja eh denken, dass diese Stimme von einer Frau kommt. Was vielleicht wie ein gutes Konzept wirkt, ist wie ich hörte aber eher seiner Schüchternheit geschuldet.
Fakt ist nunmal, dass Portugal. The Man eine Frische auf die Bühne und in ihrem Sound haben, die ansteckend ist und man über Vergleiche und Stilistiken nur milde lächeln kann, auch wenn die vielen Attribute wie “Mars Volta auf Pop”, “Sould meets Led Zeppelin” oder “sprunghaft und unscharf” sicher alle ihre Berechtigung habe, dabei aber nicht weit genug gehen.
Klar geht einfach anders, aber es waren grandiose 75 Minuten und irgendwie erinnern die nun in Portland (!) residierenden auch an Bands wie Modest Mouse, Menomena oder Wolf Parade, von denen ja auch zwei aus Portland kommen…
Kategorie: About Shows
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