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Krachkeks-Kolumne Folge 25 "schlechte Musik"



Am Wochenende war es mal wieder soweit: Meine Frau war Shoppen, während ich Fussi bevorzugte, um der Rollenverteilung und meinem Interesse gerecht zu werden. War es mit dem Fussball um 17:00 Uhr dann fast vorbei, so erging es meiner Frau nicht anders, denn mit ihr war es auch fast vorbei.

Eine Mischung aus Wut und einem Häufchen Elend kam da nach Hause und im ersten Moment dachte ich natürlich, dass es daran lag, dass sie nichts gefunden hat, denn das macht die Frauen ja meist recht unglücklich, aber die Tüte sprach eine andere Sprache. Natürlich platzte sie dann aber sofort raus und kotzte sich verbal bei mir aus. Sie war schon länger nicht in der “Innenstadt” shoppen und war der Meinung, dass man es wirklich in keinem Klamottenladen mehr aushalten kann.

Das war mir nicht wirklich neu, denn nicht nur das Ambiente, sondern auch das Klientel entsprechen meist nicht so meinem Geschmack, weshalb ich mir ungelogen seit ca. 2 Jahren keine neuen Sachen gekauft habe…..

“Die Musik ist grausam und nicht zu ertragen!” kam dann aus ihrem Munde und “man hält es nicht aus”. Überheblich grinsend konnte ich sie nur fragen, was sie denn erwartet in einer Welt wie dieser und Menschen wie denen da draußen. So geht es mir schließlich jeden verdammten Tag und meist ist die Musik sogar so schlecht, dass man sie nicht mal ignorieren kann.

Das gilt ja auch für alle Lebenslagen, sei es Radio, Sportstudios, Kneipen oder halt Klamottenläden und meist bringe ich dann die Sozialisation ins Spiel, denn im Gegensatz zur UK- oder US-Jugend wachsen wir halt selten mit “guter” Musik auf, aber das wollte meine Frau jetzt gerade gar nicht hören. “Lass uns hier weg!” waren ihre nächsten vor Frust fast gebrüllten Worte. Dazu sei gesagt, dass eine meiner Visionen noch immer der Umzug in eine bessere Musikwelt ist, da mir sonst irgendwann das ganze Herz noch bricht, denn die Oasen guter Musik sind in diesem Lande doch eher eine Fatamorgana. Allerdings soll ein derartiger Schritt in unserem Alter auch etwas geplant sein und so war ich dagegen, sofort die Koffer zu packen.

Die meisten da draußen werden jetzt den Kopf schütteln und für derartige Gefühle und Gedanken vielleicht wenig übrig haben, aber Menschen, denen Musik sehr, sehr wichtig ist, können mich vielleicht im Ansatz etwas verstehen. Bis vor einiger Zeit hatte ich tatsächlich noch den Glauben, dass es einfach daran liegt, dass die Leute hier einfach vieles Gute gar nicht kennen, da das nun mal nicht im Radio läuft. Das ist zu einem gewissen Teil auch noch immer richtig, aber das alleine ist es nicht. Selbst wenn man Leuten versucht, Bands wie Modest Mouse, The Shins, Bright Eyes oder Death Cab For Cutie näher zu bringen, klappt das eher selten.

Zum einen liegt das daran, dass sie einfach zu gute Songs schreiben und damit viele Leute ob ihrer Gefühle überfordern, zum anderen liegt es auch daran, dass hier die Indie-Musik in bestimmten Grenzen und Szenen stattfindet und man lieber jede x-beliebige Punk-Band hört als Musik von Leuten, die eigentlich recht “nomal” aussehen. Man möchte sich doch gerade abgrenzen und da ist die Musik eigentlich nur sekundär, denn es geht ja um die Szenen. SCHREIEN könnte ich dann – wie auf dem Bild oben, denn das bin ich jeden Tag.

Ich habe mir jetzt Premiere zugelegt, denn ich rege mich viel lieber beim Fussball auf, denn der scheint nicht nur mich zu interessieren, und da dies ein recht teures Vergnügen ist, kaufe ich mir einfach keine Klamotten mehr. Versteht mich nicht falsch, in Seattle oder Portland sind die Klamottenläden auch nicht besser, was die Auswahl betrifft, aber es läuft MUSIK.

Keine Angst, dies ist kein Appell gegen schlechte Musik, dies ist einfach nur die Resignation eines Musikfans, der es satt hat, dass in diesem Lande immer nur die Kopie einer Kopie einer Kopie gespielt wird und keiner sich die Mühe gibt, Entdecker des Guten zu sein.

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  1. Kommentare

    Hallo Jörg,
    hoffentlich erzählt ihr euren Familien rechtzeitig von eurer Abwanderung.
    lg Petra

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