Aqualung - Memory Man
veröffentlicht am 31. August 2007 von Jörg
“Memory Man” wurde in den USA zwar schon vor ein paar Monaten veröffentlicht, obwohl es sich ja um einen englischen Künstler handelt, erblickt nun aber auch hier das Licht der Welt.
Diesmal hat sich die Fast-Ein-Mann-Band Aqualung knapp drei Jahre Zeit gelassen, denn genau so lange ist es her, dass das großartige zweite Album “Still Life” erschien, das vor allem durch den Semi-Hit ‘Brighter Than Sunshine’ für Aufsehen gesorgt hat. Konnte uns schon das Debüt “Aqualung” mit seiner melancholisch-ruhigen Ausstrahlung und Songs wie ‘Strange And Beautiful’ oder ‘If I Fall’ überzeugen, so war der Nachfolger sogar noch ein weiterer Schritt nach vorne.
Was Aqualung auszeichnet ist zum einen natürlich die helle, melancholische und sehr eigene Stimme von Matt Hales, der natürlich auch diesmal fast alle Instrumente selber spielt und das Album ebenso produziert hat, wobei Bruder Ben und Dan Swift (Snow Patrol, Ash, Feeder) als Co-Produzenten fungierten. Zum anderen die Wärme seines Pianospiels, das natürlich wieder durch elektronische Elemente, die nie zu sehr im Vordergrund sind, trefflich ergänzt wird.
Allerdings – und hier kommt der berühmte Wehrmutstropfen – kann “Memory Man” nicht so ganz an die beiden Vorgänger anknüpfen. Klar ist das noch 100% Aqualung, aber irgendwie spielt hier der Mainstream-Charakter eine zwielichtige Rolle, die besonders im Mittelteil mit Songs wie ‘Vapour Trail’ und ‘Rolls So Deep’ zu finden ist und irgendwie nicht hätte sein müssen.
Natürlich gibt es auch wieder Lichtblicke wie ‘Something Believe In’, vielleicht dem einen oder anderen geläufig aus CSI Miami, ‘Black Hole’, das am ehesten mit den Highlights der letzten Alben mithalten kann, und dem abschließenden ‘Broken Bones’, das mehr als ein versöhnliches Ende ist.
Matt Hales meinte mal, dass seine Musik so klänge, als wäre sie unter Wasser entstanden. Dem kann ich zwar nur begrenzt folgen, aber Aqualung hat immerhin eine konsequente Eigenständigkeit, die fernab jeglicher Hypes und Moden für wahrlich schöne Momente sorgt, auch wenn es gerne noch etwas mehr Progressivität sein darf. (Red Ink)
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Krachkeks-Kolumne Folge 25 "schlechte Musik"
veröffentlicht am 27. August 2007 von Jörg
Am Wochenende war es mal wieder soweit: Meine Frau war Shoppen, während ich Fussi bevorzugte, um der Rollenverteilung und meinem Interesse gerecht zu werden. War es mit dem Fussball um 17:00 Uhr dann fast vorbei, so erging es meiner Frau nicht anders, denn mit ihr war es auch fast vorbei.
Eine Mischung aus Wut und einem Häufchen Elend kam da nach Hause und im ersten Moment dachte ich natürlich, dass es daran lag, dass sie nichts gefunden hat, denn das macht die Frauen ja meist recht unglücklich, aber die Tüte sprach eine andere Sprache. Natürlich platzte sie dann aber sofort raus und kotzte sich verbal bei mir aus. Sie war schon länger nicht in der “Innenstadt” shoppen und war der Meinung, dass man es wirklich in keinem Klamottenladen mehr aushalten kann.
Das war mir nicht wirklich neu, denn nicht nur das Ambiente, sondern auch das Klientel entsprechen meist nicht so meinem Geschmack, weshalb ich mir ungelogen seit ca. 2 Jahren keine neuen Sachen gekauft habe…..
“Die Musik ist grausam und nicht zu ertragen!” kam dann aus ihrem Munde und “man hält es nicht aus”. Überheblich grinsend konnte ich sie nur fragen, was sie denn erwartet in einer Welt wie dieser und Menschen wie denen da draußen. So geht es mir schließlich jeden verdammten Tag und meist ist die Musik sogar so schlecht, dass man sie nicht mal ignorieren kann.
Das gilt ja auch für alle Lebenslagen, sei es Radio, Sportstudios, Kneipen oder halt Klamottenläden und meist bringe ich dann die Sozialisation ins Spiel, denn im Gegensatz zur UK- oder US-Jugend wachsen wir halt selten mit “guter” Musik auf, aber das wollte meine Frau jetzt gerade gar nicht hören. “Lass uns hier weg!” waren ihre nächsten vor Frust fast gebrüllten Worte. Dazu sei gesagt, dass eine meiner Visionen noch immer der Umzug in eine bessere Musikwelt ist, da mir sonst irgendwann das ganze Herz noch bricht, denn die Oasen guter Musik sind in diesem Lande doch eher eine Fatamorgana. Allerdings soll ein derartiger Schritt in unserem Alter auch etwas geplant sein und so war ich dagegen, sofort die Koffer zu packen.
Die meisten da draußen werden jetzt den Kopf schütteln und für derartige Gefühle und Gedanken vielleicht wenig übrig haben, aber Menschen, denen Musik sehr, sehr wichtig ist, können mich vielleicht im Ansatz etwas verstehen. Bis vor einiger Zeit hatte ich tatsächlich noch den Glauben, dass es einfach daran liegt, dass die Leute hier einfach vieles Gute gar nicht kennen, da das nun mal nicht im Radio läuft. Das ist zu einem gewissen Teil auch noch immer richtig, aber das alleine ist es nicht. Selbst wenn man Leuten versucht, Bands wie Modest Mouse, The Shins, Bright Eyes oder Death Cab For Cutie näher zu bringen, klappt das eher selten.
Zum einen liegt das daran, dass sie einfach zu gute Songs schreiben und damit viele Leute ob ihrer Gefühle überfordern, zum anderen liegt es auch daran, dass hier die Indie-Musik in bestimmten Grenzen und Szenen stattfindet und man lieber jede x-beliebige Punk-Band hört als Musik von Leuten, die eigentlich recht “nomal” aussehen. Man möchte sich doch gerade abgrenzen und da ist die Musik eigentlich nur sekundär, denn es geht ja um die Szenen. SCHREIEN könnte ich dann – wie auf dem Bild oben, denn das bin ich jeden Tag.
Ich habe mir jetzt Premiere zugelegt, denn ich rege mich viel lieber beim Fussball auf, denn der scheint nicht nur mich zu interessieren, und da dies ein recht teures Vergnügen ist, kaufe ich mir einfach keine Klamotten mehr. Versteht mich nicht falsch, in Seattle oder Portland sind die Klamottenläden auch nicht besser, was die Auswahl betrifft, aber es läuft MUSIK.
Keine Angst, dies ist kein Appell gegen schlechte Musik, dies ist einfach nur die Resignation eines Musikfans, der es satt hat, dass in diesem Lande immer nur die Kopie einer Kopie einer Kopie gespielt wird und keiner sich die Mühe gibt, Entdecker des Guten zu sein.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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The Electric Soft Parade - No Need To Be Downhearted
veröffentlicht am 24. August 2007 von Jörg
Ein Klischee besagt, dass das dritte Album einer Band doch immer das Wochtigste der Karriere ist, weil sich dann erst zeigt, was wirklich in einer Band steckt. Klischees birgen zumindest meist auch Wahrheit und so geht es hier also um die Karriere von The Electric Soft Parade und ihr drittes Album “No Need To Be Downhearted”.
Die aus Brighton kommenden Brüder White machen es uns mit diesem Werk aber bestimmt nicht einfach. Dies liegt zum einen daran, dass die beiden Vorgänger “Holes In The Wall” (2002) und “The American Adventure” (2004) wirklich richtig gute, eigenständige Alben waren und die Meßlatte für ein drittes Album entsprechend hochgelegt haben.
Auf der anderen Seite kann “No Need To Be Downhearted” nicht gerade als homogenes Album bezeichnet werden, da die Songs in ihrer Qualität einfach zu unterschiedlich geraten sind. So gibt es wieder großartige Songs wie ‘Life In The Backseat’, ‘If That’s The Case, Then I Don`t Know’ oder auch das melancholisch-schleppende ‘Secrets’ sowie ‘Have You Ever Felt Like It`s Too Late?’, aber es gibt auch wahre Durchschnittskost, die sogar manches Mal in banales Easy Listening wie in ‘Cold War’ gipfelt, auch wenn die Kritik jetzt vielleicht etwas zu hart erscheinen mag.
Diie angesprochene Homogenität zeichnete die ersten beiden Alben aber nun mal aus und so ist das neue Album für mich leider zu einem Rückschritt geraten, der es den Brüdern bestimmt nicht leicht machen wird. Dieser Rückschritt ist wahrlich kein großer, aber zumindest so groß, dass er einen etwas zwiespältigen Eindruck zurücklässt.
Klar ist aber auch, dass The Electric Soft Parade noch immer eine kreative Band jenseits ausgetrampelter Trendpfade ist, die sie mit ihrer anderen Band The Brakes ja eher ausleben, und zeitlose Songs schreiben. In ihren besten Momenten sind sie eine schöne Mischung aus Grandaddy, den Flaming Lips und den Beatles und ich kann nur hoffen, dass sie diese Momente auf dem vierten Album dann wieder in Gänze in ihren Songs verewigen werden. (Truck Records)
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Tegan and Sara - Knust (Hamburg)
veröffentlicht am 22. August 2007 von Jörg
Letzte Woche schon die Kritik zum neuen Album “The Con”, jetzt gleich den Live-Eindruck hinterher geschoben, denn Tegan and Sara waren ja auch schon ein paar Jahre nicht mehr hier auf Tour. Trotzdem und trotz der Tatsache, dass kein Mensch weiß, ob und wann das Album hier erscheinen wird, war das Knust mit ca. 450 Menschen richtig gut gefüllt. Braucht es denn wirklich keine Plattenfirmen mehr?
Als Support fungierte der Last Days Of April – Frontmann Karl Larsson, der seine akustische Solo-Sache ganz gut, aber irgendwie auch recht banal machte. Er tat aber auch niemandem weh, was in der heutigen Zeit ja eher gut zu sein scheint. Mir hätte er aber gerne etwas mehr wehtun dürfen….
Dann traten Tegan & Sara auf die Bühne und im Gegensatz zu früher sehen sie sich immer ähnlicher und haben die gleichen Frisuren, so dass die Zwillinge auch wie Zwillinge aussahen.
Zunächst spielten sie zum Warmwerden erstmal ein paar ältere Songs, denn immerhin können sie auf nunmehr 5 (!) Alben zurückgreifen, obwohl sie doch erst 26 sind. Diese wurden dankend angenommen und bei mir kam schnell die Befürchtung auf, dass sie heute gar nicht reden wollen, denn darin sind sie wirklich witzig und charmant. Dies sollte zum Glück nur für die ersten Songs gelten und wahrscheinlich wollten sie erstmal ein paar Songs spielen, bevor sie das Publikum von Anfang an mit ihren Anekdoten beglücken und am Schluß kaum Songs gespielt haben.
Tegan kam dann recht schnell auf das neue Album zu sprechen, das sie zufällig auch zum Kauf dabei hatten, was in Anbetracht der Tatsache, dass Warner jenes hier noch nicht veröffentlicht hat, schon klug war. So wurden mehr als die Hälfte der Songs von “The Con” gespielt, bei denen vor allem die erste Single ‘Back In Your Head’, das elektronische ‘Are You Ten Years Ago’ sowie ‘Call It Off’ überzeugen konnten.
Natürlich können sie es nicht mehr jedem recht machen, denn zum einen spielten sie ihren größten “Hit” ‘I Hear Noises’ nicht und zum anderen hatte ich sie vor Jahren mal als Duo ohne Band im Hintergrund erlebt und das war natürlich wesentlich persönlicher, lustiger und kurzweiliger, denn am besten sind doch immer noch die Songs, wo sie reduziert agieren und ihre großartigen Stimmen in den Vordergund stellen.
Nach drei Zugaben war dann ein schöner und sympathischer Konzertabend zu Ende und sie versprachen, dass sie im Februar wieder kommen werden, mal schauen!
Kategorie: About Shows
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"About Songs" - Radioshow
veröffentlicht am 21. August 2007 von Jörg
Am morgigen Mittwoch ist es wieder soweit und ihr könnt einer neuen “About Songs”-Sendung fröhnen.
Diesmal könnt ihr “About Songs” nicht nur auf Tide 96.0 (Kabel 95.45) hören, sondern auch im Netz. Den Download dazu gibt es entsprechend hier Tide – die Technik macht auch vor Tide nicht halt… Zeit? 18-19 Uhr
So, hier zum Abschluß noch die Playlist, die euch diesmal erwarten wird und wie ihr seht, gibt es einige neue Songs, u.a. von Tegan & Sara, David Bazan, The Electric Soft Parade und Rocky Votolato:
Okkervil River – Happy Hearts
Modest Mouse – Missed The Boat
Tegan & Sara – Relief Next To Me
The Electric Soft Parade – If That`s The Case, Then I Don`t Know
Rocky Votolato – Postcard From Kentucky
Sir Simon Battle – I Turn The Key
Menomena – Muscle`n Flow
David Bazan – Speeding The Collapse
Say Hi – Sweet Sweet Heart Killer
Portugal, The Man – Shade
Siva – Sleepie
Karamel – Sag mal, Johann
Cloud Cult – Pretty Voice
Tegan & Sara – Back In Your Head
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