Krachkeks-Kolumne Folge 24 "Wir sind hier nicht in Seattle, Jörg"
veröffentlicht am 31. Juli 2007 von Jörg
In Anlehnung an einen der legendärsten Tocotronic-Songs, wie einige vielleicht schon festgestellt haben, kommt das Motto der neuen “Krachkeks-Kolumne” daher. Für alle, die mich nicht oder nicht so gut kennen, sei kurz erwähnt, dass meine Affinität zum Nordwesten der USA und insbesondere Seattle kaum zu überbieten ist.
Meine Liebe zu Seattle kommt der zu Hamburg schon verdammt nahe und wenn es um Musik geht, hat Seattle die Nase natürlich ganz, ganz weit vorne. Klar sind Hamburger Musiker auch immer stets bemüht, aber eigenständig, charismatisch und mit einem Riesentalent gesegnet sind leider die wenigsten, aber das gilt ja hier nicht nur für Musiker, oder?
Dass ich mit dieser Liebe nicht hinter dem Berg halte, mag dem einen oder anderen schon aufgefallen sein und vielleicht gibt es auch Leute in meinem Umfeld, die es einfach nicht mehr hören können und am liebsten sagen würden: “Dann geh doch endlich! – denn dann brauchst du dich über die hiesige Ignoranz Musik gegenüber nicht mehr aufzuregen!”
Natürlich haben diese Leute recht, aber bevor ich diesen Schritt wage, muss ich diese Menschen weiterhin mit der Ankündigung penetrieren, zum einen, um mir den Sinn einer solchen Aktion immer wieder zu verdeutlichen und zum anderen, um alle soweit zu bringen, dass sie mich am liebsten aus dem Land werfen würden. Das ist natürlich ein schwieriges Unterfangen, denn die Trägheit steht den meisten Deutschen ja ins Gesicht geschrieben und so werden sie wohl auch zu träge sein, um mich einfach in den großen Teich zu schmeißen, oder?
Man kann mir ja Vieles vorwerfen, aber den Schuh des Glaubens, dass da jemand auf mich und mein DevilDuck-Label wartet, ziehe ich mir bestimmt nicht an. Aber hier desillusioniert darauf zu warten, dass sich später vielleicht mal eine Generation mehr für Musik interessiert als die jetzige macht ja auch nicht so viel Sinn, vor allem wenn mein Leben endlich ist. Warum ich immer von Musik rede? Weil das nunmal ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens ist und diese in einer Stadt wie Seattle eine wesentlich größere Bedeutung hat als hier. Natürlich gibt es da auch einen Haufen von Ignoranten, nur ist die Anzahl doch bedeutend geringer als hier – und das sagt ein Hamburger? Wie wird es erst in anderen Städten dieses Landes aussehen?
Allerdings wird sich mein “Umzug” nach Seattle wohl noch etwas verschieben, da ich den Kampf für eine bessere Musikwelt noch nicht aufgegeben habe. Trotzdem wird das Sterben von Indie-Labels weitergehen und schon jetzt gibt es kein Indie-Label in Deutschland mehr, dass ausschließlich vom Label-Dasein leben kann!!! Vielleicht gibt das ja einigen zu denken und die Rettung einer Musikkultur ist noch möglich.
Klar werde ich mir im nächsten Jahr aber Seattle zum sechsten Mal anschauen….
Kategorie: Krachkeks Kolumne
Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.

