Krachkeks-Kolumne Folge 23 "Pressemappe"
veröffentlicht am 17. Juli 2007 von Jörg
Hatte ich schon erwähnt, dass ich mich ab und zu als Dozent für “Music Business” betätige, um dem vermeintlichen Nachwuchs das Böse dieser Branche beizubringen? Wohl nicht, aber an diesem Wochenende war es wieder soweit und u.a. kam bei dem Thema, wie eine Band dann ihr Demo dem A&R der Plattenfirma präsentieren soll, die unsägliche Pressemappe wieder auf.
Auch wenn es mir schwerfällt, so versuchte ich doch meine emotional geprägte Meinung objektiv zu begründen, aber da ich natürlich nicht der einzige Dozent bin und das Thema “Promotion” vorher schon von einer netten Dame gelehrt wurde, stand ich jetzt da, um die Relevanz einer “Pressemappe” etwas zu relativieren.
Es gibt die Ansicht, dass zur Präsentation von Songs einer neuen Band, die einen Plattenvertrag sucht, eine origielle, total witzige und auffallende Pressemappe schon die halbe Miete zum Erfolg ist. Diese Relevanz möchte ich jetzt auch gar nicht völlig absprechen, denn im Einzelfall oder in den 80er Jahren mag das vielleicht sogar zu einem Teilerfolg beigetragen haben.
Allerdings bewirkt ein Blick auf den Kalender manchmal Wunder, denn wir haben 2007, jeder redet über das Aussterben des “physischen Tonträgers”, die Bedeutung von myspace, youtube und Konsorten und der Tatsache, dass es immer mehr Bands gibt, die auf diesem “schwierigen” Markt bei immer weniger werdenden Labels einen Vertrag ergatten wollen.
Der Erstkontakt ist dann für viele schon mal sehr wichtig, denn wenn dieser falsch gewählt wurde, ist es schon mit der Karriere vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat. Völliger Bullshit!
Egal ob bei Major- oder Indie-Labels läuft es für neue Bands ohne großartige Kontakte (z.B. über Produzenten, Verleger, Booker, etc.) nun mal so, dass sie den vermeintlich Sinn machenden Labels einen Link schicken, damit diese einfach mal ohne großen Aufwand sich einen ersten Eindruck verschaffen können, ob das überhaupt annähernd Sinn macht, aus ihrer subjektiven Sicht, sich weiter damit und mit einem größeren Repertoire an Songs zu beschäftigen. Dann wird dieser A&R ein Mail zurückschicken, entweder mit den Floskeln “passt nicht in unser Repertoire”, “zur Zeit sind wir an keinen Signings interessiert”, “haben zur Zeit keine Kapazitäten” oder “es ist einfach schlecht” (trifft meistens zu!), oder mit der Bitte, doch ein paar mehr Songs & Infos per Post zu schicken.
Vorteil: Die Bands ersparen sich, dutzende Labels blind mit dem Demo zu bemustern, was nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet. Die Labels ersparen sich, die Post erst groß zu öffnen, zu archivieren (ja, das gibt es) und irgendwann den Griff in die berühmte Kiste zu tun, wenn man mal Zeit hat, was in dieser Branche eh keiner hat und wenn, niemals zugeben würde.
Klar sehen das einige Promo-Damen anders, meisten die, die bei freien Promo-Agenturen arbeiten, d.h. auch noch nie bei einem Label, sei es Major oder Indie, gearbeitet haben und somit die Arbeitsweise von A&Rs auch nicht kennen. Klar gibt es hier bestimmt auch Ausnahmen von der Regel, die nur Sachen per Post wahrnehmen und diese Demos dann nach der Klasse und Orginialtät der Pressemappen und ihrer Aufmachung anhören, aber sind das Visionäre?
Mich interessieren zunächst die Songs einer Band (ich weiß, das mag “old school” sein), dann vielleicht noch ein paar Infos, wo sie her kommen und wo sie hin wollen, ob sie vielleicht in nächster Zeit ein paar Shows spielen oder so. Mich interessiert aber bestimmt nicht, in welchen unbekannten Bands sie vorher schon ihre Erfahrungen gesammelt haben oder ob sich Drummer und Bassist schon aus dem Sandkasten kennen oder was ihre Vorbilder so sind oder bei welchem Freund sie das Demo aufgeneommen haben.
Klar, wenn sie vorher in Bands gespielt haben, von denen man schon etwas gehört haben könnte oder mit Leuten arbeiten, die nicht ganz unbekannt sind, so dürfen sie das erwähnen, sonst aber bitte nicht.
So, das musste einfach mal raus, denn es muss nicht die Hochglanzbewerbung, über die man sich als Band Monate Gedanken gemacht hat, im Vordergrund stehen, sondern, so klischeehaft es auch klingen mag, die Musik.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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