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Hurricane Festival 2007 (Samstag)



Zunächst einmal sei gesagt, dass der folgende Bericht nicht nur auf grenzenloser Subjektivität beruht, sondern auch jeglicher Vollständigkeit entbehrt, da ich in meinem Alter natürlich nicht drei Tage vor Ort bin (Freitag fiel für mich aus) und einige Bands es natürlich auch nicht wirklich verdient haben, namentlich erwähnt zu werden. Oder wer braucht schon Marilyn Manson, Juliette & The Licks oder The Bravery?

Dass es in diesem Jahr auch wieder ein eher matschiges Vergnügen war, damit hat man gelernt zu leben, auch wenn die hiesigen Tageszeitungen eigentlich nur über das Wetter und die damit verbundenen Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten berichtet hat und einen Teil der Bands höchstens aufgezählt hat, aber nicht über den jeweiligen Auftritt geschrieben wurde. Das wiederum hängt dann meist damit zusammen, dass sich die Redakteure im VIP-Bereich volllaufen lassen und dann natürlich am Ende des Festivals kaum eine Band gesehen haben. Eine gewisse Selektion tut natürlich Not, aber als Schreiber, der damit sein Geld verdient, sollte man einigen Bands auch gerecht zu werden versuchen, oder?

So, nun zur Musik am Samstag – auch wenn The Films mittlerweile an jeder Gießkanne spielen, kann ich mich nicht so recht mit ihnen anfreunden, da ihr britisch angehauchter Sound doch eher beliebig anmutet. Als nächstes ging es dann zu einen meiner Helden namens Frank Black (Ex-Sänger der Pixies, wie wohl jeder weiß), den ich ja vor kurzem gerade in der Intimität der Prinzenbar erleben durfte. Sein Auftritt auf dem Hurricane war dann auch bestimmt kein schlechter, nur fragen sich alle, warum er zu einem “Brüllfrosch” mutiert ist, obwohl er doch den tollen Songs sonst mit einer eben so tollen Stimme begegnet. Klar möchte er mal wieder so richtig rocken, aber den Songs tut das nicht so wirklich gut und das unter seinem Pixies-Namen Black Francis erscheinende neue Album darf gespannt erwartet werden…

Dann kam mit The Arcade Fire auch schon der Höhepunkt des Tages. Über ihre Bühnengaderobe kann man vielleicht noch geteilter Meinung sein, aber was sie musikalisch und von der Performance her zu bieten hatten, war wirklich klasse und ihr Spaß übertrug sich auch auf das Publikum und es ging nicht nur mir so, dass eine Gänsehautattacke die nächste nach sich zog und mein Grinsen einfach nicht verschwinden wollte. Klar stand das neue Album im Vordergrund, das ja auch einiger Eingewöhnungszeit bedarf, aber live erschließt sich plötzlich alles und so zählen The Arcade Fire hoffentlich auch noch in den nächsten Jahren zu den besten Bands, im Gegensatz zu so vielen englischen Bands, die schnell kommen und gehen.

Meine Lieblinge von Modest Mouse hatten es dann auf der zweiten Bühne etwas schwerer, denn auch wenn sie von den weltweiten Verkaufszahlen her (alleine 2 Mio. vom neuen Album in den USA) und in einer besseren Welt eigentlich Headliner sein müßten, so fliegen dieser Band halt nicht gleich die Herzen der Zuschauer zu, die zum Großteil von Modest Mouse auch noch nicht so viel gehört zu haben schienen. Im Gegensatz zu The Arcade Fire, die mit 7 von 10 Leuten ganz vorne am Bühnenrand standen, wollte bei Modest Mouse diese Rolle niemand übernehmen und Sänger Isaac Brock stand so weit wie möglich vom Bühnenrand entfernt. Es schien fast so, als hätte er sich kurz vorm Auftritt “Neu-Gitarrist” Johhny Marr (Ex-Smiths) geschnappt, um ihm zu sagen, dass er in der Mitte der Bühne und auch etwas weiter vorne stehen soll, da er in Europa ja vielleicht bekannter ist…..
Die Songs waren natürlich über jeden Zweifel erhaben und so wurde neben den “Hits” des letzten Albums hauptsächlich Neues vom Genie-Streich “We Were Dead Before The Ship Even Sank” kredenzt.

Die Manic Street Preachers, die gleich nach ihrem Auftritt zum legendären Glastonbury-Festival nach England durften und sich so dazu entschieden haben, mit Bright Eyes den Platz zu tauschen, lieferten einen soliden Set mit einer Menge alter Hits und auch wenn ihr Lack schon etwas angekratzt ist, so haben sie genau diese Songs, die ein Haufen der neueren Bands nicht haben – nicht spektakulär, aber sympathisch. Am Schluß stand dann natürlich ‘If You Tolerate This, Than Your Children Will Be Next’.

Bright Eyes, die ich in diesem Jahr ja schon in Seattle sehen durfte, überboten die lächerlichen 10 Musiker von The Arcade Fire quantitativ sogar noch und traten ganz in weiß auf. Dass Conor Oberst nun jeglichen Babyspeck verloren und auch seine Weinerlichkeit abgelegt hat, wurde schon bei der letzten Konzertkritik auf dieser Seite erwähnt, und so brachten sie nicht nur die Mädels, sondern auch viele anderen zum Schmachten, hatten Spaß auf der Bühne und waren nur deswegen nicht ganz so gut wie Arcade Fire, da sie auf viele, große Songs einfach verzichten und hier und da schon zu routiniert wirken.

Interpol bildeten dann meinen Tagesabschluß und auch wenn sie natürlich einige großartige Songs haben, so sprang der Funke nicht so ganz über, da sie ja auch eine gewisse und bewußte Kühle ausstrahlen, die mich dann emotional etwas auf Distanz hielt.

So, genug für heute, morgen noch ein paar Worte vom Sonntag.

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