Chris Cornell - Carry On
veröffentlicht am 15. Juni 2007 von Jörg
Wer kennt es nicht – das Warten auf ein neues, musikalisches Lebenszeichen eines seiner absoluten Helden? Zu meinen Helden zählt Chris Cornell, der mit Soundgarden einfach Grossartiges vollbracht hat. Leider gab es die Band ja dann auch nicht so lange, aber manchmal kommt eine Auflösung im richtigen Moment und es gibt ja genügend Bands, die diesen Zeitpunkt einfach verpassen.
Dann erschien im Jahr 1999 das erste Solo-Album “Euphoria Morning”, welches wirklich ein großes Werk war, wenn man von der französischen Version von ‘Can`t Change Me`mal absieht. Dann war es eine Zeit lang ruhig, bevor sich Chris Cornell mit 3/4 von Rage Against The Machine zu Audioslave vereinigte. Das war guter Hardrock, doch niemals innovativ oder emotional genug, um an vergangene Glanzzeiten anzuknüpfen.
Nun ist die Band zum Glück auch Geschichte und darum wandelt Mr. Cornell wieder auf Solo-Pfaden und veröffentlicht mit “Carry On” sein zweites eigenes Werk. Die Neugier auf seine neuen Songs war sehr groß und konnte durch die eher durchschnittliche James Bond – Hymne ‘You Know My Name’ nicht wirklich gelindert werden.
Aus dem journalistischen Freundeskreis habe ich vorab schon einige negativen Resonanzen vernommen, aber als Fan gibt man auf diese ja erstmal recht wenig. Dann ging es aber los, d.h. einmal gehört, ein zweites Mal und ein drittes Mal und die Enttäuschung des ersten Eindrucks wollte sich einfach nicht verflüchtigen – biederer US-Mainstream-Rock, die James Bond – Single war kein Ausrutscher und stellt sich jetzt als eine der besseren Nummern da – kann das sein? Darf das sein?
Neben wirklich banalen Songs, die hier nicht namentlich erwähnt werden sollen, stechen ‘Arms Around Your Love’ und ‘Killing Birds’ zumindest etwas heraus, aber das heißt leider nicht, dass dies wirklich starke Songs sind, sondern lediglich besser als viele der anderen Bon Jovi – Songs, wirklich grausiger Mainstream wie bei ‘Safe And Sound’ (huch, jetzt habe ich doch einen der schlimmen Songs namentlich erwähnt…). Dass das ‘Billie Jean’-Cover noch zu den stärksten Songs zählt, lass ich hier mal so stehen.
Man kann es kaum glauben, einer der besten Rocksänger der Welt zieht vor ein paar Jahren von Seattle nach L.A. und plötzlich erlahmt jegliche Kreativität, der Herr lehnt sich zurück, hat keine finanziellen und emotionalen Probleme mehr, ist sonnengebräunt und lässt sich von der neuen Stadt so beeinflussen, dass er nur noch Durschnitt zustande bringt. Klar haben seine alten Soundgarden-Freunde nichts zu diesem schleimigen Erguss beitragen wollen.
Chris, bitte ziehe wieder nach Seattle oder Portland, denn da liegt Inspiration ja quasi auf der Strasse. Ich möchte hier bestimmt nicht zum Drogenkonsum aufrufen, aber vielleicht gibt es ja eine halbwegs gesunde Ersatzdroge, die das Talent zurückbringt, Salzstangen?
Please do not “Carry On” this way!
Kategorie: About Albums
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