Krachkeks-Kolumne Folge 21 "der Tod"
veröffentlicht am 6. Juni 2007 von Jörg
Keine Angst – es geht hier nicht um den Tod im allgemeinen, sondern um den bevorstehenden Tod der CD bzw. dem physischen Tonträger als solches. Darum ist die Kolumne auch diesmal nicht wirklich Krach, sondern eher traurig und melancholisch, gepaart mit einem kleinen bisschen Wut.
Natürlich ist es jetzt nicht so tagesaktuell, dass es ab morgen keine CDs mehr zu kaufen gibt, aber ist der schleichende und langsame Tod nicht noch viel schlimmer? Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr in ein paar Jahren keine CD oder LP mit Booklet in der Hand halten werdet? Ich nicht, denn auch wenn es etwas nostalgisch und anachronistisch anmuten mag, so kaufe ich mir Tonträger bis zum letzten Tag.
Klar wurde jetzt oft genug erklärt, warum der physische Tonträger ausstirbt und ich möchte hier gar nicht über illegales Downloaden oder Brennen schwadronieren. Auch ist mir klar, dass die nachwachsende Generation einfach keine CDs kauft, weil das halt nicht zu ihrer Sozialisation gehört und sie wahrscheinlich nicht mal auf die Idee kommen, dass man das machen könnte…
Als ich mein Label gestartet habe, wie so viele vor, nach und mit mir, bildete ich mir ein, eine gewisse Nische zu bedienen. Nische ist dabei zu einem meiner absoluten Lieblingsworte geworden. Klar wusste ich auch, dass diese Nischen viele Leute mit ihren Labels bedienen wollen, aber zumindest hatte ich die Illusion, dass diese Nische der musikinteressierten Menschen größer wäre als sie letztlich ist. Nein, ich war mir bewußt, dass das Musikinteresse in Deutschland weitaus geringer ist als in den USA, in UK oder in Frankreich, aber dafür haben wir ja zumindest mehr Einwohner als jedes andere europäische Land.
Diese Zeilen sollen jetzt nicht in Selbstmitleid ausarten, aber dass das Aussterben des physischen Tonträgers Major-Label genauso trifft wie größere Indie-Labels oder Bonsai-Label wie das Meine tröstet mich nicht wirklich. Es ist einfach schade, denn natürlich bedarf es dann keiner graphischen Künstler mehr, die Album-Artowrkd kreieren, es bedarf keiner Plattenläden mehr, von denen es ja zur Zeit eh immer weniger gibt und die großen ja eh mitnichten “Plattenläden” sind. Ich hatte in einer Kolumne ja schon die Liebe geschildert, die amerikanische Plattenläden in die Gemütlichkeit und in das Repertoire dieser stecken…
So, nun rufe ich die Wehmut über die nächsten 5-10 Jahre aus, denn das ist genau die Zeit, die die “Experten” dem physischen Tonträger noch einräumen und da wir Deutschen immer etwas langsamer sind, können wir diese Phase dann vielleicht noch künstlich, nicht künstlerisch, etwas verlängern.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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