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Veröffentlichung: 11.11.2011


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J.R. Moehringer - Tender Bar



Eigentlich sollen im Rahmen von “About Songs” natürlich eher Bücher besprochen werden, die einen Bezug zu Musik haben bzw. wo Musik eine große Rolle spielt. Da es so viele, vor allem gute, Bücher da aber nicht gibt und ihr nicht denken sollt, dass ich gar nicht lese, folgen nun mal wieder ein paar warme Worte zu einem wirklich guten Buch.

“Tender Bar” ist dabei bei weitem kein Geheimtipp mehr, sondern wurde u.a. von der New York Times zum besten Buch des Jahres 2006 gewählt. Der Einstieg fällt dann mal etwas behäbig und langatmig aus und so dachte ich, mal wieder ein Buch, dass den Vorschusslorbeeren nicht gerecht werden kann. Die ersten 120 Seiten gilt es also zu überstehen, was jetzt nicht falsch verstanden werden darf, denn so schlimm ist es natürlich nicht.

In “Tender Bar” geht es naheliegender Weise um eine Bar und besonders um den Hauptdarsteller JR, denn für ihn wird das Publicans, so der Name der Bar im Großteil des Buches (vorher das “Dickens” nach Onkel Charles…), zu DEM Lebensmittlepunkt und seine Anwesenheit gipfelt quasi in einer Sucht. Diese Bar liegt in Manhasset, New York und steht exemplarisch für unzählige Bars gleicher Coleur mit ihrem warmen, etwas romantisierenden Ambiente und den skurilen Typen, die JR im Laufe der Zeit zu lieben lernt. Dass ein 12-jähriger Junge diese Bar als Mittelpunkt betrachtet, liegt vor allem an Onkel Charly, der eben da arbeitet und den der Junge gerne um sich hat.

“Tender Bar” schildert das Leben von JR mit all seinen Höhen und Tiefen, der Liebe, der Beziehung zu seiner Mutter, der Nichtbeziehung zu seinem Vater, dem Studium in Yale, etc. – eben alles, was man in einem Leben so erlebt. Die einzige Konstante ist natürlich die Bar selber mit seinen “Einwohnern”.

Wirklich GROSS ist besonders der Mittelteil des Buches, denn da arbeitet JR gerade in einem Buchladen, deren Betreiber Bill und Bud sich selber nicht in den Laden trauen, sondern einfach hinten, weit ab von Banalem wie Kunden, ununterbrochen lesen. Sie geben JR natürlich Ratschläge für die weite Yale-Welt, ohne selber je viel erlebt zu haben. Sie nehmen Anteil und die Botschaft, die mich zu Tränen gerührt hat, drückt der folgende Dialog aus:
“Wir glauben nur, es gibt ein paar Dinge, auf die du nicht vorbereitet bist.”
“Zum Beispiel?”
“Desillusionierung”
“Ich dachte, ihr würdet Alkohol und Drogen sagen. Oder Mädchen. Oder reiche Studenten. Oder fiese Professoren. Aber – Desillusionierung?”
“DESSILLUSIONIERUNG ist gefährlicher als alle diese Dinge zuammengenommen!”

Desillusionierung…... ich zumindest kann dem nur zustimmen.

Wieviel Autobiografisches diesem Buche innewohnt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber da die Hauptperson JR heißt und der Autor ebenso und beide in Yale studiert haben, gibt mir das ein Gefühl, als hätte J.R. Moehringen auch über sein eigenes Leben geschrieben. “Tender Bar” kann auf jeden Fall mit Jonathan Franzens “Korrekturen” mithalten und hat verdientermaßen den Pullitzer-Preis gewonnen.

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