Modest Mouse - We Were Dead Before The Ship Even Sank
veröffentlicht am 6. April 2007 von Jörg
Waren gerade noch James Mercer und seine SHINS Thema auf dieser Seite, so gehen wir nun ein Haus weiter und beschäftigen uns mit dem neuen Album seines Nachbarn in Portland, Isaac Brock und seinen Mannen bei MODEST MOUSE. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass Mr. Mercer drei der Titel mit seiner Stimme veredelt.
In den USA über jeden Zweifel erhaben konnten sie dort den Olymp in Form der Nr. 1 in den Billboard-Charts erklimmen. Genau das ist den SHINS und auch ARCADE FIRE mit ihren aktuellen Alben nicht gelungen, aber “second best is not the end of life”. 129.000 verkaufte Alben in einer Woche klingt so schlecht nicht, aber hier gilt eine derartige Band halt immer noch als verschrobene Indie-Band.
Das sechste Album hat nun den lustigen Titel “We Were Dead Before The Ship Even Sank” und ist mit Sicherheit das homogenste Album der Band, d.h. verrückte Sperenzchen treten immer mehr an den Rand, was aber keineswegs als Kritik zu verstehen ist. Der Opener ‘March Into The Sea’ gibt das Tempo der Reise vor und bläst ein wildes Lächeln in die Gesichter, denn genauso lieben wir sie: dynamisch, frisch, leicht angetrunken mit Liedern, die vom Sterben handeln, aber keineswegs deprimiert daher kommen.
Die Single ‘Dashboard’ ist sicherlich schon bekannt und würde in einer guten Welt ein Hit werden. ‘Fire It Up’ knüpft da nahtlos, aber etwas weniger tanzbar, an, bevor es mit ‘Florida’ einen der zwei etwas durchschnittlicheren Songs gibt. Das ist aber nur die Ruhe vor dem Sturm, denn dann kommt ‘Parting Of The Sensory’, eine wahre Meilenstein-Komposition, die durch einen ruhigen, unglaublich schönen Anfang und einer ebensolchen Instrumentierung, mit Geige und Cello, daherkommt, bevor der Song nach drei Minuten eine dramatische Note bekommt, die in einem wahren Fiasko endet. Wahrscheinlich sind sie gerade auf See und nach einem recht ruhigen Beginn, geht es auf ein feindliches Schiff zu, das es zu entern gilt. Das alles musikalisch in einem Song verpackt, der zu den absoluten Höhepunkten im Schaffen von MODEST MOUSE zählt.
‘Missed The Boat’ lässt dann ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen, zählt aber nicht weniger zu den vielen Höhepunkten des Albums. ‘We’ve Got Everything’ geht dann wieder etwas weiter nach vorne und man kann ihnen nur zustimmen, denn sie haben einfach alles, was eine GROSSE Band ausmacht. Dass man auf großer Fahrt auch mal etwas seekrank wird, beweist das schräge ‘Fly Trapped In A Jar’. das sicher weniger für einen Abend am Kamin taugt, aber diese gesanglichen Momente eines Isaac Brock muss man einfach lieben. ‘Education’ geht dann noch mal in die ‘Dashboard’-Richtung.
‘Little Motel’ führt uns dann endlich mal wieder durch ruhigere Gefilde – “that`s what I`m waiting for”. ‘Steam Engenius’ ist ist dann der zweite winzig kleine Durchhänger, der bei vielen Bands sicher zu den besten Songs ihrer Karriere zählen würde. Dann kommt aber ‘Spitting Venom’, welches mit einer Akustikgitarre und spuckenden Worten beginnt und zu einem tollen Song in typischer MM-Manier mündet. “Game Over?” Nein, noch nicht, denn zwei Songs bilden den Abschluss: ‘People As Places As People’ geht entspannt auf die letzte Etappe der Reise, hält die Qualität aber weiter hoch, so dass gar keine Lust zur Meuterei bei der Schiffscrew aufkommen mag. ‘Invisible’ nimmt dann noch einmal richtig Fahrt auf und holt alles aus den alten Kahn heraus, mit Tempo dem Ende des Trips entgegen.
Die Reise ist zu Ende und natürlich werden MODEST MOUSE lediglich für zwei Festivals nach Deutschland kommen, da die hiesige Musikwelt sich dieser Musik selten als würdig erwiesen zu haben scheint, oder?
Nun war der Ex-Gitarrist Johnny Marr ja noch gar kein Thema dieser Kritik, wo der Hype und die Geschichte an sich doch größer hätten kaum in der Presse ausgeschlachtet werden können. Die meisten Rezensionen sprechen denn auch vom großen Einfluß und dass man sein Gitarrenspiel doch deutlich raushört. Was ich davon halte? Nichts, denn so sehr ich Johnny Marr schätze und er bestimmt seinen Teil zum neuen Album beigetragen hat, heraushören tut man ihn nicht, denn Modest Mouse klingen wie Modest Mouse, aber das sollte er als Kompliment verstehen, denn ein Teil dieser großartigen Band um Isaac Brock zu sein und sich nicht in den Vordergrund stellen zu wollen, ist viel wert.
“We Were Dead Before The Ship Even Sank” zeigt eine der größten Bands auf ihrer Reise, die dramatischer nicht sein kann. Dieses Album gehört neben dem der Portland-Brüder von The Shins zu wahren Meisterwerken der Musikgeschichte und hat genau das, was so vielen heutigen Werken, vor allem vieler UK-Bands, einfach fehlt: Tiefe, Authentizität, Emotionalität, Eigenständigkeit. Charisma und keine Kostümierung, sondern die wahren Gefühle für die ich lebe. (Red Ink)
Kategorie: About Albums
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