Arcade Fire - Neon Bible
veröffentlicht am 23. März 2007 von Jörg
Das neue Arcade Fire – Album liegt vor! Diese Nachricht mag nicht ganz neu sein, denn schließlich ist die Presse schon mit lauter Superlativen und Lobhudeleien über “Neon Bible”, dem zweiten Album der teil-kanadischen Senkrechtstarter gefüllt.
Natürlich war mir schon klar, dass nicht nur ich sehnsüchtig auf das neue Album gewartet habe, denn das Debüt “Funeral” zählte auch zu meinen Top 10 des Jahres 2005. Zunächst sollte erwähnt sein, dass “Neon Bible” komplett in einer Kirche in der Nähe von Montreal aufgenommen wurde. Lustigerweise beinhalteten viele Kritiken, dass man genau das hören könnte, was natürlich völliger Quatsch ist. Der Sound ist warm und wirklich erstklassig schön, aber ob das nun an der Kirche liegt oder nur der Vorstellung der Hörer entspringt, sei mal dahingestellt.
Es gibt keinen Zweifel, dass ARCADE FIRE zu den derzeit besten und innovativsten Bands zählt. Zweifel gibt es aber, ob “Neon Bible” besser als das Debüt geworden ist. Vielleicht sollte man diese Vergleiche aber auch sofort im Keim ersticken, denn “Funeral” hatte natürlich den Überraschungseffekt auf seiner Seite und den gibt es so auf dem Nachfolger nun mal nicht.
“Neon Bible” muss in jedem Fall häufig gehört werden, denn bei den ersten Durchgängen herrscht schon noch etwas Skepsis vor. Der Opener und erste Singel ‘Black Mirror’ ist ein wirklich guter Appetizer, der den Takt vorgibt, aber nicht vollends überzeugt, was bestimmt nicht an der Düsternis liegt, die dann mit dem positiv treibenden ‘Keep The Car Running’ aufgelöst wird. Der Titeltrack ist dann nur ein kurzes Intermezzo, bevor dann mit ‘Intervention’ der nicht ganz so heimliche Hit folgt, der mit Kirchenorgeln eingeläutet wird.
Der sehr eindringliche Gesang von Win Butler steht derartigen Songs mehr als gut zu Gesicht. Das wird bei ‘Black Wave’ leider kurz unterbrochen und schon haben wir einen der schwächeren Songs entdeckt, was daran liegt, dass die Gattin Régine Chassagne leider nicht gut singen kann, sobald im zweiten Teil der Herr des Hauses wieder übernimmt, ist Aufatmen angesagt.
‘Ocean Of Noise’ lässt dann kurz mal durchatmen, bevor mit ‘The Well And The Lighthouse’ das Tempo wieder angezogen wird. Zu den Highlights zählen beide Songs nicht, aber das Niveau hochhalten tun sie trotzdem. Von ‘Antichrist Television Blues’ hätte ich mir dann natürlich einen langsamen, düsteren und etwas bösartigen Song erwartet, aber mit “Blues” wollen sie hier nur verwirren.
Furios gelingt ihnen dann das vom eindringlichen ‘Windowsill’ – “I don`t want to live in my father`s house no more” – eingeleitete Ende des Albums. Das grandiose ‘No Cars Go’ erinnert mich irgendwie an die 80er Ikonen von Ultravox und ‘My Body Is A Cage’ lässt uns dann endlich wieder etwas zur Ruhe kommen.
Fakt ist, dass “Neon Bible” als ein homogenes Gesamtwerk betrachtet werden muss und ARCADE FIRE keinesfalls enttäuscht haben. Welche Band kann schon einem derartig schönen, emotionalen und neuartigen Debüt wie “Funeral” einen ebenbürtigen Nachfolger präsentieren? (City Slang)
Arcade Fire live:
27.03. Berlin – Postbahnhof, 28.03. München – Elserhalle, 01.04. Köln – Palladium
Kategorie: About Albums
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