The Shins - Wincing The Night Away
veröffentlicht am 30. März 2007 von Jörg
Eine Kritik zum neuen The Shins – Album? Jetzt? Das Album ist doch schon seit etlichen Wochen veröffentlicht und konnte sogar die US-Billboard-Charts auf Platz 2 entern…
Wer diese Seite ab und zu liest, wird feststellen, dass ich das Album bereits kritisiert habe, meine durchaus lobenden Worte hier auch in keinstem Fal zurücknehmen möchte. Nur habe ich das Album nun nicht nur einige Male, sondern sehr, sehr viele Male gehört und muss einen Teil der Kritik zurücknehmen, denn meine letzten Worte waren, dass “im Gegensatz zum wahrlich großen Vorgänger hier nicht jeder Song mithalten kann”. Das stimmt so nicht mehr, denn aus heutiger, reiferer Sicht kann festgestellt werden, dass “Wincing The Night Away” BESSER ist als die beiden Vorgänger. Man kann es kaum glauben, aber es ist Fakt!
Was interessieren mich meine Worte von gestern? Das könnte man mir jetzt vielleicht vorwerfen. aber nach reiflicher Überlegung habe ich den Schritt gemacht, denn dieses Album und diese Band sind es wert, dass man eigentlich jede Woche wieder darüber schreibt. Im Gegensatz zu meiner Kritik vom 19. Januar möchte ich jetzt auch nicht auf einzelne Songs eingehen, denn das wurde bereits getan und wird dem Album als Gesamkunstwerk auch gar nicht so sehr gerecht.
Klar gibt es in jedem Jahr sehr viele schöne Album, aber wer sich an den Shins und ihren genialen Songs messen lassen möchte, hat einiges vor und braucht wahrscheinlich ein überzogenes Maß an Selbstvertrauen.
“Wincing The Night Away” gehört ohne Zweifel schon jetzt zu den besten Alben des Jahres und nicht nur des Jahres, denn je öfter man diese tollen Songs hört und verinnerlicht, um so besser werden sie. Dieses Album kann man sich nicht überhören! MEISTERWERK.
Jetzt kommen sie nach Jahren der Live-Abstinenz doch tatsächlich für ganze 2 Konzerte nach Deutschland:
03.04. Köln – Live Music Hall, 04.04. Berlin – Postbahnhof
In einer guten (Musik-) Welt wären The Shins das Maß aller Dinge, aber leider leben wir in einem Land, wo derartig gute Musik stiefmütterlich behandelt wird und so werden diese Bands, die in den USA einen über jeden Zweifel erhabenen Status haben, hier nur auf “Indie”-Pfaden Erfolg haben, so dass ich zwar traurig bin, dass sie nur 2 Shows spielen und auch alle deutschen Festivals mit Ignoranz strafen, auf der anderen Seite aber auch weiß, dass wir es wohl besser nicht verdient haben! (Sub Pop)
Kategorie: About Albums
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"About Songs" im Doppelpack
veröffentlicht am 27. März 2007 von Jörg
Morgen geht es doch wieder in den Grünen Jäger, oder? Diesmal gibt es wunderbare Songwriter aus der Schweiz und den USA.
David Dondero (USA) – veröffentlicht im Juni sein bereits siebtes (!) Album „Simple Love“ und war im letzten Jahr u.a. mit BRIGHT EYES und MY MORNING JACKET auf Tour. Ruhelos, getrieben und ohne Unterlass auf der Straße – Davids Leben als moderner Troubadour ist sehens- und hörenswert.
RAPHELSON (Schweiz) – „Hold The Moment Still“ das von John Parish (PJ Harvey, EELS) produzierte Solo-Album des MAGICRAYS-Sängers Raphaël Enard erschien im letzten Herbst und besticht durch eine beeindruckende Intensität und Nähe, die sich ohne weiteres messen kann mit dem Werk namhafter Kollegen wie Mark Linkous (SPARKLEHORSE) oder Sufjan Stevens.
Gepaart mit vielen neuen Alben, die wir gerade aus den USA mitgebracht haben, steht einem wunderschönen Musikabend nichts im Wege.
“About Songs”-Radio-Show auf Tide 96.0 um 18.00 Uhr auch morgen Diesmal u.a. mit LOW, Robbers On High Street, Monta, Cloud Cult und Iron & Wine.
Kategorie: About Songs Club
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Krachkeks-Kolumne Folge 16 "Musik"
veröffentlicht am 26. März 2007 von Jörg
Nach drei Wochen in den USA bin ich wieder in Deutschland angekommen. Nein, dies soll nun kein Abrechnen mit den beschwerlichen Reisestrapazen, fehlendem Gepäck oder der 24-stündigen Verspätung sein.
Vielmehr geht es hier um ein Gefühl der Depression. Klar gibt es unzählige Dinge, die mir hier besser gefallen als in “God`s Own Country”, aber in meinem Leben spielt Musik nun mal eine recht große und entscheidende Rolle und so langsam frage ich mich, ob ich mir die USA noch antun soll, denn dort ist die Musikwelt noch in Ordnung, zumindest einigermaßen.
Das liegt zunächst einmal daran, dass sich die Menschen dort für gute Musik zu interessieren scheinen. Bands wie Modest Mouse, The Shins oder Arcade Fire sind da wirklich groß, hier sind diese genialen Bands ja höchstens in den Medien groß. Selbst in Klamottenläden oder auf den Flughäfen werden The Shins gespielt und genau dieses Erreichen einer breiteren Masse macht den Unterschied. Was hier cool und indie ist, ist dort selbstverständlich Mainstream. Wie schön könnte die Welt sein?
Nehmt einen Sonnentag wie diesen: Wäre es nicht toll, man setzt sich hier mit seinem Bierchen in ein Cafe in die Sonne und lauscht nebenbei den Klängen eben genannter Bands und fühlt sich dabei richtig gut? Das ist aber nur schwer möglich, denn die Läden, die Außengastronomie anbieten, haben entweder gar keine Musik (!) oder halt Lounge-Musik für BWLer mit Karo-Hemden. Ja, ich weiß ja auch, dass Karohemden zu Grunge-Zeiten Anfang der 90er mal in waren, aber von diesen rede ich gerade nicht…
Warum wird gute Musik hier einfach ignoriert? Klar ist “gute” Musik per se etwas Subjektives, aber ihr, die mich kennt, wißt doch, was ich sagen will, oder? Natürlich kennt der Mainstream hier die Shins gar nicht und meine Frau würde jetzt wieder sagen, dass man ihnen doch keinen Vorwurf machen kann, denn wenn sie die kennen würden, würden sie die bestimmt auch gut finden, da sie doch Pop-Hits schreiben.
Klar schreiben sie diese, aber leider nur für unsere Art Ohren und nicht für die Ohren der Bösen. Ich wollte hier nur kurz meinen Frust ausdrücken und gar keine Erklärungen suchen, denn derer gibt es sehr viele und die Aufzählung würde daher etwas länger dauern. Schließlich lernen wir im Musikunterricht ja auch eher Querflöte als Gitarre…
Ob man es glauben mag oder nicht, ich habe mir schon überlegt, ob ich nicht für zumindest ein paar Monate einfach nach Portland oder Seattle ziehen soll, denn selbst im Starbucks gibt es dort gute Musik. Es ist einfach unglaublich, aber die Menschen finden das Hören von Bands wie Postal Service, Wolf Parade, Cursive oder Swell völlig normal und üblich! Was kann ich tun, damit ich das hier auch habe bzw. was kann man tun, damit die Menschen in diesem Lande Musik zu fühlen lernen?
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Arcade Fire - Neon Bible
veröffentlicht am 23. März 2007 von Jörg
Das neue Arcade Fire – Album liegt vor! Diese Nachricht mag nicht ganz neu sein, denn schließlich ist die Presse schon mit lauter Superlativen und Lobhudeleien über “Neon Bible”, dem zweiten Album der teil-kanadischen Senkrechtstarter gefüllt.
Natürlich war mir schon klar, dass nicht nur ich sehnsüchtig auf das neue Album gewartet habe, denn das Debüt “Funeral” zählte auch zu meinen Top 10 des Jahres 2005. Zunächst sollte erwähnt sein, dass “Neon Bible” komplett in einer Kirche in der Nähe von Montreal aufgenommen wurde. Lustigerweise beinhalteten viele Kritiken, dass man genau das hören könnte, was natürlich völliger Quatsch ist. Der Sound ist warm und wirklich erstklassig schön, aber ob das nun an der Kirche liegt oder nur der Vorstellung der Hörer entspringt, sei mal dahingestellt.
Es gibt keinen Zweifel, dass ARCADE FIRE zu den derzeit besten und innovativsten Bands zählt. Zweifel gibt es aber, ob “Neon Bible” besser als das Debüt geworden ist. Vielleicht sollte man diese Vergleiche aber auch sofort im Keim ersticken, denn “Funeral” hatte natürlich den Überraschungseffekt auf seiner Seite und den gibt es so auf dem Nachfolger nun mal nicht.
“Neon Bible” muss in jedem Fall häufig gehört werden, denn bei den ersten Durchgängen herrscht schon noch etwas Skepsis vor. Der Opener und erste Singel ‘Black Mirror’ ist ein wirklich guter Appetizer, der den Takt vorgibt, aber nicht vollends überzeugt, was bestimmt nicht an der Düsternis liegt, die dann mit dem positiv treibenden ‘Keep The Car Running’ aufgelöst wird. Der Titeltrack ist dann nur ein kurzes Intermezzo, bevor dann mit ‘Intervention’ der nicht ganz so heimliche Hit folgt, der mit Kirchenorgeln eingeläutet wird.
Der sehr eindringliche Gesang von Win Butler steht derartigen Songs mehr als gut zu Gesicht. Das wird bei ‘Black Wave’ leider kurz unterbrochen und schon haben wir einen der schwächeren Songs entdeckt, was daran liegt, dass die Gattin Régine Chassagne leider nicht gut singen kann, sobald im zweiten Teil der Herr des Hauses wieder übernimmt, ist Aufatmen angesagt.
‘Ocean Of Noise’ lässt dann kurz mal durchatmen, bevor mit ‘The Well And The Lighthouse’ das Tempo wieder angezogen wird. Zu den Highlights zählen beide Songs nicht, aber das Niveau hochhalten tun sie trotzdem. Von ‘Antichrist Television Blues’ hätte ich mir dann natürlich einen langsamen, düsteren und etwas bösartigen Song erwartet, aber mit “Blues” wollen sie hier nur verwirren.
Furios gelingt ihnen dann das vom eindringlichen ‘Windowsill’ – “I don`t want to live in my father`s house no more” – eingeleitete Ende des Albums. Das grandiose ‘No Cars Go’ erinnert mich irgendwie an die 80er Ikonen von Ultravox und ‘My Body Is A Cage’ lässt uns dann endlich wieder etwas zur Ruhe kommen.
Fakt ist, dass “Neon Bible” als ein homogenes Gesamtwerk betrachtet werden muss und ARCADE FIRE keinesfalls enttäuscht haben. Welche Band kann schon einem derartig schönen, emotionalen und neuartigen Debüt wie “Funeral” einen ebenbürtigen Nachfolger präsentieren? (City Slang)
Arcade Fire live:
27.03. Berlin – Postbahnhof, 28.03. München – Elserhalle, 01.04. Köln – Palladium
Kategorie: About Albums
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SXSW - Austin (Texas) Part 4
veröffentlicht am 18. März 2007 von Jörg
Nun ist auch der letzte Tag ueberstanden und natuerlich muss ich dem Alkohol mTRibut zollen, bin voellig durch und sage mir, dass das naechstes Jahr anders werden muss. Allerdings ermutigt mich die Tatsache ein bisschen, dass es anderen noch schlechter geht…
Der musikalische Teil des Tages begann mal wieder mit den ROBBERS ON HIGH STREET im Covention Center, wo sie 5 Songs spielten und so langsam moechte ich mich daran gewoehnen, sie jeden Tag zu sehen.
Als naechstes standen dann wieder die Lokalmatadoren Crash Gallery auf dem Programm, die auch einen guten Gig spielten, aber da lediglich 10 (!) Zuschauer da waren, von denen 5 alleine zur nachfolgenden Band gehoerten, muss man das wohl als Reinfall bezeichnen.
Nun ging es, wie im letzten Jahr, ins Long Branch Inn, was eines kleinen Fussmarsches bedurfte. Mt. Fuji, ein kleines Label aus Seattle, praesentierte einige seiner Kuenstler und vor allem die Punkrocker THE COPS waren grossartig. Ich stehe zwar schon seit laengerem nicht mehr auf Punkrock und das, was als solches bezeichnet wird – siehe auch Krachkeks-Kolumne – aber wenn, dann duerfen es nur die COPS sein, denn das erinnert doch am ehesten an das, was Punrock der End-70er Schule auszeichnet. Uebrigens ist Labelbetreiber Mike hier auch gleich der Saenger.
LITTLE BRAZIL folgten auf dem Fusse und machten zumindest nergie-maessig da weiter, wo die COPS aufgehoert hatten. Buehnenpraesenz und -Performance hat in den USA eh einen ganz anderen Stellenwert. LITTLE BRAZIL spielten dann auch ziemlich viele neue Songs, ihres zumindest hier gerade erschienen zweiten Albums. Die Band stammt aus Omaha, Nebraska und ist tatsaechlich nicht auf Saddle Creek, was um so mehr versundert, da sie zum einen Cursive auf jung nicht unaehnlich sind und der Saenger zum anderen mal in einer Band mit Conor Oberst war.
Einige Bands spielen hier ja mehrere Male und so habe ich mir die COPS dann am Abend im Mohawk gleich noch mal angeschaut, die Show war zwar nicht ganz so ausgeflippt, was an der Tatsache lag, dass sie hier eine Buehne hatten und nicht ganz so toben konnten, aber ueber die Qualitaeten der Band gibt es keinen Zweifel.
Kings of Leon und Spoon mussten dann leider ausfallen, da die Schlangen einfach viel zu lang waren, aber damit muss man beim SXSW immer rechnen und auch wenn es traurig ist, gibt es ja noch ein paar andere Bands.
Die Hoehepunkte des Abends sollten dann auch erst noch folgen, denn es standen die PRESIDENTS OF THE UNITED STATES OF AMERICA sowie CURSIVE an. Beide Bands waren super und die PRESIDENTS waren natuerlich die Gewinner des gesammten SXSW. SPIELFREUDE gepaart mit HUMOR wird gross geschrieben und die Fans tickten voellig aus. Hatte ich schon gedacht, dass ich einigermassen textsicher bin, so musste ich mich eines Besseren belehren lassen und als Toelpel des Abends durchgehen. Klar wurden alle Hits wie ‘Numb’, ‘Peaches’, ‘Volcano’, ‘Video Killed The Radio Star’ gespielt und es ist mehr als schade, dass die PRESIDENTS so selten auf Tour gehen, vor allem in Europa natuerlich. Zuletzt haben sie in ihrer Heimatstadt 3 x die Showbox ausverkauft, wo Bright Eyes dies immerhin nur 1 x schafften.
CURSIVE beschlossen dann den Abend in der Beauty Bar Patio und auch wenn die Musik sehr anders ist, so konnte sich Tim Kasher nicht ueber mangelnde Stimmung beklagen. Waehrend des Gigs rannte er einfach mal raus, um auch kurz die vor der Tuer Wartenden einzubeziehen. GROSS und die beste Show, die ich bisher von ihnen gesehen habe.
Ein Resuemee des SXSW-Festivals wird in den naechsten Tagen noch folgen, denn hier ging es ja erstmal um die Bands und nicht um das Drumherum…
Kategorie: About Shows
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