Krachkeks-Kolumne 15 "Echo"
veröffentlicht am 26. Februar 2007 von Jörg
Kaum hat das Jahr 2007 begonnen, steht auch schon wieder der „Echo“, der deutsche Musikpreis, vor der Tür und natürlich frage ich mich, warum man ihn denn noch rein lassen sollte?
Angetreten, um mit dem größten internationalen Musikpreis „Grammy“ mithalten zu können, wird heute wohl kaum jemand behaupten wollen, dass dieser Anspruch in all den Jahren auch nur entfernt erreicht werden konnte. Internationale Künstler sind Mangelware, vor allem natürlich jene, die auch erfolgreich sind. Klar versuchen die Major-Plattenfirmen noch immer alles, um ihre amerikanischen Stars zum deutschen „Echo“ zu bewegen, aber etliche Pannen in den letzten Jahren – hier sei nur an die arme Alanis Morissette erinnert, die ihren Auftritt dreimal wiederholen musste, da es einfach kein digitales Mischpult gab – sowie die mangelnde Relevanz des deutschen Musikmarktes für viele Künstler, die da natürlich eher Groß-Britannien im Focus haben, machen dieses Unterfangen immer schwieriger.
Nun wurden dann auch mit großem Getöse die ersten Künstler bekannt gegeben, aber überraschen können Namen wie Take That, deren Reunion wenn überhaupt, dann nur in Deutschland einigermaßen erfolgreich war, Simply Red, die eh immer nur in Deutschland einige Relevanz erlangen konnten und an Langeweile ja nur schwer zu überbieten sind, und Tokio Hotel nicht wirklich und so muss man den „Echo“ heute als das verstehen, was er ist:
Ein Mikrokosmos der deutschen Musikwirtschaft, der im Ausland nicht mal mehr für eine Randnotiz gut ist, in der Metropole Berlin kaum wahr genommen wird und ohne jeglichen Qualitätsanspruch antritt. Klar resultieren die Gewinner zum Großteil aus den Verkaufszahlen und ich könnte wieder kommen mit „jedes Volk bekommt das, was es verdient“, aber ursprünglich war der Anspruch halt einer anderer und sollte mehr Auslandsansehen erlangen als der „Musikantenstadl“ oder die alte „ZDF-Hitparade“.
Natürlich versucht man auch gar nicht erst, mit einer kleinen Überraschung aufzuwarten, denn das wäre dann wohl Perlen vor die Säue oder so. Jetzt könnte man argumentieren, dass ich gar nicht weiß, wovon ich spreche, aber Pustekuchen, denn ich durfte schon 10 Echo-Verleihungen am eigenen Leibe miterleben. Auf die Veranstaltung an sich hat eigentlich schon niemand so richtig Lust, was am Anfang hoffentlich noch etwas anders war, denn das bedeutet, drei Stunden ruhig und ohne Getränke auf seinem Sitz zu verharren, was gerade für Musikschaffende ein fast unmögliches Unterfangen ist. Wenn man aber schon dabei sein darf, lässt man das dann über sich ergehen, denn am Ende winkt ja die legendäre After-Show-Party, auf der man umsonst essen und trinken kann und wenn man schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, auch entsprechend viele Bekannte trifft.
Allerdings führte auch dieses Prozedere dazu, dass man von Jahr zu Jahr immer mehr Leute antrifft, die man gar nicht treffen will – hier seien nicht nur bestimmte Personen aus der Musikbranche genannt, die jedem auf dem Sack gehen, sondern vor allem auch immer mehr Markenartikler und deren Kunden, so dass eine extreme „Ver-Ammer-isierung“ der Party die Folge ist. Schlechte Musik und verbreitetes Proletentum gehen damit dann einher und somit kann selbst die Party diese langweilige Veranstaltung nicht mehr retten. Die Stimmung im Saal ist eigentlich auch nicht wirklich vorhanden, wenn man von den paar Teenager-Musikfans mal absieht, die dafür auch noch viel Geld bezahlen mussten.
So tut es mir auch ein wenig Leid, dass ich hier deren Traumveranstaltung disse, aber was aus dem „Echo“ und der ursprünglichen Idee dahinter geworden ist, macht mich fast schon wütend oder ist es nur der Neid, dass ich die letzten drei Jahre nicht mehr teilnehmen durfte, da meine Warner-Zeit vorbei ist und mein eigenes Label so klein, dass ich schon froh bin, wenn meine Künstler überhaupt irgendwo auftreten?
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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