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Veröffentlichung: 22. August


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Krachkeks-Kolumne Folge 10 "Weihnacht"



Nun erwarten alle ein Lamento zum Thema “Weihnachten”, den sinnlosen Konsumterror, enttäuschte Gesichter, langweilige Familientreffen und der Tatsache, dass man froh ist, wenn alles vorbei ist. Natürlich ist das auch alles irgendwo wahr, aber ich kann nicht leugnen, dass mich diverse Feuerzangenbowlen milder gestimmt haben.

Ich verstehe auch gar nicht, warum es noch immer viele Menschen gibt, die Feuerzangenbowle nicht kennen (nein, nicht den Film!) und meinen, dass Glühwein doch lecker ist. Glühwein ist aber der Mainstream und Feuerzangenbowle ist viel, viel leckerer und knallt dabei auch besser, was eventuell am Rum und Zucker liegen könnte. Gepaart mit großartigen Spekulatius-Keksen entwaltet sich eine wahre Gaumenpracht, die für mich primär Weihnachten ausmacht.

Das Fest lässt sich so besser ertragen, geht viel schneller vorbei und eine gewisse Milde im Umgang mit meinen Mitmenschen kann ich dabei auch nicht leugnen. Kombiniert mit der Tatsache, keine Geschenke kaufen zu müssen, macht sich also ein gewisse Entspanntheit breit, die sich noch durch Beobachtung hektischer Menschen im Konsumrausch steigert. Mir ging es schon immer besser, wenn es anderen Menschen schlechter geht.

Nachteil in der Weihnachtszeit ist, wie ich jeden Tag feststelle, dass sich Feuerzangenbowle irgendwie nicht mit Sport verträgt, aber das Jahr ist ja bald zu Ende und dann werden es die Vorsätze für 2007schon richten, oder? Man stelle sich vor, dass Weihnachten vier Wochen dauern würde!

Wäre allerdings sehr spannend, denn dann könnte man sich nicht mal eben für die liebe Verwandtschaft zusammenreißen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Vielmehr würden die Konflikte die erste Zeit nur im Inneren ausgetragen, aber nach einigen Tagen des Stillhaltens geht es dann richtig los, bis hin zur totalen Eskalation, die darin gipfelt, dass man neben Handgreiflichkeiten auch noch vergangene Dinge aufarbeitet, die seit Jahren unter der Haut brodeln.

Die Überlebenden hätten dann endlich mal ein ehrliches Fest erlebt, auch wenn sie beim nächsten Weihnachten dann wahrscheinlich eher alleine feiern müssen, aber wollen wir das nicht eigentlich alle?

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Jeremy Enigk "World Waits"



Die Welt ist schlecht geworden! Es ist mehr als schwierig, das neue Album von Jeremy Enigk überhaupt zu finden. Ich bin durch diverse Hamburger Plattenläden gerannt und traurig war es, dass kein Laden dieses Album hatte, noch trauriger, dass einige ihn gar nicht (mehr) kannten. So musste ich auf die von mir nicht geliebten Amazon-Pfade vertrauen und das Album bestellen.

Nun soll es aber natürlich nicht um die Frage gehen, warum derartig tolle Künstler ihr Schaffen gar nicht mehr an die Leute bringen können, sondern um das zweite Solo-Album von Jeremy Enigk nach dem 1996 erschienenden „Return Of The Frog Queen“, welches eher experimentell war und mit der Schönheit und Musik von „World Waits“ nichts mehr zu tun hat.

Für die, denen Jeremy Enigk nichts sagt, sei erwähnt, dass er mit seiner großartigen Band Sunny Day Real Estate zum einen als Mitbegründer des Emo galt, zum anderen einfach bahnbrechende Alben wie „Diary“ oder „How It Feels To Be Something On“ gemacht hat. Sein letztes Lebenszeichen war die Band The Fire Theft, die es eigentlich auch noch geben soll und der neben Jeremy Enigk noch Basser Nate Mendel (Foo Fighters) und Drummer William Goldsmith (Ex-Foo Fighters) angehören. Übrigens waren sie live mit das Beste, was ich in den letzten Jahren sehen durfte. Das selbstbetitelte Debüt-Album von The Fire Theft erschien vor etwa drei Jahren und wenn man sein neues Solo-Album mit einem seiner bisherigen Werke vergleichen kann, dann am ehesten mit diesem.

„World Waits“ wurde mit einem Orchester eingespielt, welches so dezent agiert, dass es einen wunderschön warmen Mantel um die Stimme und Songs von Jeremy Enigk legt und ihn über allem schweben lässt. Der Mantel dient dabei quasi als Schutz, denn die Songs entbehren nicht einer gewissen Zerbrechlichkeit. Eine gewisse Opulenz war dem Meister dann auch noch nie fremd und hier auf seinem Solo-Werk lebt er sie aus wie noch nie.

Das schön bebilderte Booklet zeigt sehr stimmungsvolle, melancholische Bilder, die die Musik nicht besser visualisieren könnten und trotz des Mitwirkens vieler Musiker hat man doch immer das Gefühl, dass Jeremy Enigk ein einsamer Wolf ist, weshalb das Album vielleicht auch über sein eigenes Label Lewis Hollow Records erscheint. Songs wie ‚Been Here Before’, ‚Damien Dreams’ oder der Titeltrack ‚World Waits’ lösen eine Gänsehaut nach der anderen aus und sind es nicht derartige Alben, die einem den Glauben an die Kraft und Schönheit der Musik in all dem tristen Mainstream erst wieder spüren lassen? Vielleicht etwas wehmütig, aber dadurch nicht minder passend zu der Musik von „World Waits“, das natürlich zu einem der besten Alben des Jahres zählt.

Übrigens kann man Jeremy Enigk auch live als Support der eher durchschnittlichen Brand New sehen, zu deren doch jungen Sound die Erwachsenheit und Reife eines Jeremy Enigk nicht so recht passen mag. (Essential)

25.01. Berlin – 26.01. München – 01.02. Köln – 02.02. Hamburg

Jeremy Enigk

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"About Songs" - Radioshow



Heute gibt es wieder den allmonatlichen Hinweis auf die “About Songs”-Radioshow auf Tide 96.0, die morgen von 16:00-17:00 Uhr laufen wird.

Diesmal u.a. mit neuen Songs von The Walkmen, der großartigen Joanna Newsom sowie den Decemberists, deren neues und großartiges Album hier bisher nur über dem Importwege zu beziehen ist. Außerdem wird es noch einen Klassiker von Built To Spill geben sowie ein Interview und zwei Songs des tollen deutschen Musikers Roman Fischer, der ja vor ein paar Monaten sein zweites Album “Personare” veröffentlicht hat.

Also, hört einfach mal rein und teilt mir Anregungen, die ihr nicht für euch behalten könnt, unter joerg@aboutsongs.de mit.

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Morrissey in der Colour Line Arena (Hamburg)



Große Hallen wie die CLA in Hamburg gehören zwar nicht zu meinen favorisierten Locations, aber für Moz macht man da natürlich mehr als gerne eine Ausnahme und begibt sich in einen derart sterilen Mainstream-Tempel, um dem Helden zu huldigen.

Vorab war dann noch eine Künstlerin zu ertragen, die ich hier nicht namentlich erwähnen möchte, sondern über die ich viel mehr den Weihnachtsmantel des Schweigens legen möchte.

Punkt 21:00 Uhr trat dann Morrissey begleitet von der deutschen Nationalhymne (!) und seinen fünf Mitstreitern, zu denen u.a. Jesse Tobias gehört, der ja bereits bei den Red Hot Chili Peppers, Mother Tongue und Alanis Morissette spielte, die Bühne, um gleich mal als Opener ‘Panic’ – Hang The DJ zu schmettern. Schmettern ist denn auch das richtige Stichwort, denn was seine Mitmusiker da auf die Bühne brachten war teilweise ein richtiges Rockbrett, auf dem sich Morrissey sichtbar wohl fühlte. Klar hat der 47-jährige mittlerweile ein Alter erreicht, in dem er viermal sein Hemd wechseln musste, aber so schlecht ist sein vegetarischer Körper ja auch nicht in Form.

Morrissey kredenzte in den nächsten ca. 100 Minuten eine Menge Highlights und im Gegensatz zu anderen Showgrößen hatte man trotz aller Bühnenopulenz immer das Gefühl, das wirklich die Songs im Vordergrund stehen, die er mit großartiger Stimme wahrlich zelebrierte. Ein kleiner Wehrmutstropfen war lediglich die Tatsache, dass er nicht wirklich viel gesagt hat und sein herrlicher Sarkasmus nur in sehr kurzen Ansagen zu hören war.

Morrisseys Gestik ist ja auf ein recht überschaubares Repertoire begrenzt, zum einen das Spielen mit dem Mikrophonkabel, zum anderen das Händereichen mit dem Publikum, aber genau das macht es doch aus, diese schöne Hamburger Arroganz. Man könnte fast meinen, er sei ein Hanseat…

Klar hätte er noch länger spielen und ein paar mehr Smiths-Klassiker zum besten geben können und klar hätte ich bei einem Spruch wie “We all love good pop and rock music, but why is Music TV only crap, why is radio crap” die Pointe ins Publikum erwartet “because you are crap”, aber er hat halt eine ruhige Altersweisheit erreicht, auf die ich wohl mein Leben lang warten werde.

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Krachkeks-Kolumne Folge 9 "Gewinnspiele"



Wer kann es noch ertragen? Wer kann noch ertragen, dass man keinen Film, keine Sendung und vor allem keine Sportübertragung ohne diese beknackten Gewinnspiele mehr sehen kann?

Klar habe auch ich während meines Marketingstudiums gelernt, dass für die Radio- und TV-Sender und Zeitungen und Illustrierten und Supermärkte und und und die Kundenbindung extrem wichtig ist, aber diese Gewinnspiele als inflationär zu beschreiben, käme der Untertreibung des Jahres gleich. Nirgends kann man ihnen entkommen und natürlich bekommt jedes Volk das, was es verdient, aber es muss auch mal gut sein, denn sonst glauben die Menschen in Deutschland auch bald, dass man ein neues Leben gewinnen kann oder sich auf Jobs gar nicht mehr bewerben muss, weil man diese ja gewinnen kann. Man kann ALLES gewinnen, aber gewinnen macht irgendwann auch unglücklich. Vor allem dann, wenn man diese sinnlosen Gewinnspiele alle brav mitmacht, aber doch immer nur die anderen gewinnen.

Man kann im Fernsehen gar nicht so schnell umschalten, wie diese Gewinnspiele malträtierend über einen kommen. Ja, auch ich finde das “Tor des Monats” noch eines der harmlosen und sogar traditionell zu nennenden Spiele, aber auch das kann ich nicht mehr ertragen.

Viele werden schon Anrufe bekommen haben, sei es auf Handy oder Festnetz, denn sie sind überall, wo nette Menschen einen mit “garantierten Gewinnen”, etc. konfrontieren. Auf meinen Hinweis, dass ich gar nichts gewinnen will, fühlte sich mein Gesprächspartner allerdings wie auf einem anderen Stern und fragte dreimal nach, ob er richtig gehört hätte. Er meinte auch, dass es doch nur sein Job wäre, woraufhin ich ihm entgegnete, dass er bei mir falsch ist, da ich nichts gewinnen will, auch wenn die Chancen bei 100 % liegen – es interessiert mich einfach nicht.

Aus rein egoistischen Motiven möchte ich meine Umwelt nun bitten, ebenso wie ich zu handeln, da es wohl die einzige Möglichkeit ist, diesen Gewinnspielen zu entgegnen. Es kommt sonst noch schlimmer, wir werden noch fetter und wollen noch mehr gewinnen und umsonst haben.

Kann man denn auch schlechte Laune, Killerkommandos oder Siege meiner Lieblingsmannschaft gewinnen? Dann würde ich es mir vielleicht doch noch überlegen!

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