Krachkeks-Kolumne Folge 6 "häßlicher Konsum"
veröffentlicht am 20. November 2006 von Jörg
Wer kennt es nicht, das alljährliche Bummeln in der Vorweihnachtszeit? Ich kenne das eigentlich nicht, aber am vergangenen Samstag machte ich mich mit meiner Frau doch auf in die “City”, um ein paar wichtige Dinge wie einen Tischkalender für 2007, eine Nagelschere und ähnliche Dinge zu besorgen. Ich möchte jetzt auch nicht über die Parkplatzsituation oder die Parkhauspreise meckern, denn natürlich hatten wir uns überlegt, die Bahn zu nehmen.
Auch war ich wenig überrascht über all die Massen, die sich durch die Geschäftsstrassen schleppten, obwohl man ja meinen könnte, dass soooo viel Geld nun nicht da sein kann bei all dem Gejammer. Ist es aber doch, denn ich habe auch viele Menschen mit Tüten gesehen, d.h. sie waren nicht nur zum Schaufenster-
gucken unterwegs. Ich profezeie sogar den besten Weihnachtsumsatz im Einzelhandel seit Jahren, aber das ist gar nicht der Anlaß für meine Verwunderung.
Ich frage mich vielmehr, ob der Deutsche an sich denn noch häßlicher geworden ist? Was sich da durch die Innenstadt bewegte, ließ mich erschaudern. Das war nicht nur der durchschnittliche Mainstream-Mob, das war schlimmer. Klar mag Schönheit ein subjektives Empfinden sein und auch für mich gibt es wenige Dinge, die unwichtiger erscheinen, aber dass ich mich auf der Strasse unwohl fühlte und fast schon für meine Mitbürger schämte, kannte ich so nicht. Eitelkeit hin oder her, aber bei den meisten wäre mit etwas mehr Eitelkeit auch nicht viel zu retten gewesen. Merkten die das denn nicht? Oder hatten sie nur Schönheitspräperate in ihren Tüten, mit denen sie sich auf nach Hause machten, um an sich zu arbeiten? Wollen sie uns “normalen” Menschen einfach nur einen Spiegel vorhalten? Soll das den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands aufzeigen? Wer hat sie denn so gemacht? Ist uns jegliche Ästethik abhanden gekommen?
Fragen über Fragen, zu denen ich bis heute auch keine Antworten weiß, aber es schien mir nicht so, dass dies ein Samstag war, wo nur unschöne Menschen unterwegs waren. Werde ich diesen auch begegnen, wenn ich mir voller Freude meine Feuerzangenbowlen auf den Weihnachtsmärkten genehmige? Kann ich sie mir vielleicht schön trinken?
Versteht mich nicht falsch, es geht hier weniger um Klamotten, um die neuesten Marken oder ein bestimmtes Modebewusstsein. Es geht um Gesichter, Körper und Ausstrahlung und mir blieb wirklich der Mund offen stehen, was meine Augen da sehen mussten. Bin ich denn jahrelang mit geschlossenen Augen durch die Gegend gerannt oder hat sich das erst in letzter Zeit so dramatisch verschlechtert?
Einen Kalender für 6,50 € habe ich dann doch noch gefunden, durch mein ganzes, geschildertes Entsetzen, wurde die Nagelschere aber natürlich vergessen und ich war froh, als ich wieder zu Hause war. Nun traue ich mich wohl nicht mehr aus dem Haus.
Kategorie: Krachkeks Kolumne
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Marc am 29. November 2006, 11:58
Schön, dass es mir nicht allein so geht. Es ist wirklich ein Graus, wenn man mit offenen Augen durch die City spaziert, was für eine große Anzahl potthäßlicher Menschen das Straßenbild bevölkert. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, daß RTL 2 die Leute dafür bezahlt, so rumzulaufen, um Die “Marke” nach außen zu tragen.
Einen ähnlichen Effekt hat übrigens auch ein Dombesuch. Wenn man sich mal wieder fragt, wie die schweigende Mehrheit tickt, dem sei ein Bummel ans Herz gelegt. Ob es einem danach besser geht, ist natürlich eine ganz andere Frage ….