My Morning Jacket "Okonokos"
veröffentlicht am 17. November 2006 von Jörg
Mit dieser Kritik gilt es, eine der aus meiner Sicht besten Bands der Welt Tribut zu zollen. Außerdem gibt es in der heutigen Zeit nur noch ganz wenige Live-Alben, von denen die meisten es auch nicht wert sind, überhaupt erwähnt zu werden. Dabei waren Live-Alben in der guten alten Zeit wahre Meilensteine.
Nun soll dem Live-Album in Form der My Morning Jacket – Doppel-CD „Okonokos“ gehuldigt werden. Bevor wir aber zur Musik kommen, sei noch erwähnt, dass dieses Werk für deutsche Fans auch eine Art Trostpflaster darstellt, um unsere Wunden als My Morning Jacket – Fans zu lindern, denn die für Anfang des Jahres geplante Tour wurde aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und die Daten bis heute nicht nachgeholt. Kann ein Album diesen Kummer überhaupt etwas erträglicher machen?
Live-Alben sind auch deswegen etwas umstritten, da der Sound häufig dem eines drittklassigen Punkkonzertes entspricht, was hier allerdings absolut nicht der Fall ist. Vielmehr haben sich mit die besten Leute um den Sound gekümmert: Für den Mix war Michael Bauer (Bob Dylan, Coldplay) und für das Mastern der Master Bob Ludwig zuständig.
Über dieses wahre Live-Opus viele Worte zu verlieren, fällt mehr als schwer, denn ich habe das Gefühl, dass es nie mehr ein besseres Live-Album geben wird. Der Sound ist brillant, dabei nie steril, sondern vielmehr warm und emotional. Ich werde beim Hören das Gefühl nicht los, als wäre ich bei diesem grandiosen Konzert in San Francisco live dabei.
21 Songs, die nie enden sollen, werden hier geboten, wobei der Schwerpunkt schon auf den letzten beiden Alben „It Still Moves“ und „Z“ liegt. Letzteres Album wurde, zumindest hier, auch erst Anfang diesen Jahres veröffentlicht. Es gibt ungelogen keinen Ausfall zu beklagen und die bärtigen Kauze aus Louisville, Kentucky zeigen sich in Höchstform was Spiellaune und Intensität angeht. Ihre einzigartige Magie ist schwer erklärbar, denn man muss das einfach fühlen. Klar geht ein Großteil dieser genannten Attribute auf das Konto von Sänger/Gitarrist Jim James, der alle Songs bei My Morning Jacket schreibt. Eine Quelle, die hoffentlich nie versiegen wird. Jetzt auf einzelne Songs einzugehen, macht denn auch wenig Sinn, da die über zwei Stunden dramaturgisch sehr homogen sind und jeglicher Fluss durch Nennung einzelner Titel dahin wäre. Dazu tragen neben dem erwähnten Bandkopf noch Drummer Patrick Hallahan, Bassist Two-Tone Tommy, Keyboarder Bo Koster und Gitarrist Carl Broemel bei und man merkt natürlich nicht, dass die beiden letztgenannten erst seit zwei Jahren mit an Bord sind.
Als Krönung gibt es „Okonokos“ sogar noch auf DVD mit ebenfalls zwei Stunden Spielzeit, wenn auch drei Songs weniger, dafür aber mit einem filmischen Intro ‚The Party’ und einem Outro ‚The Attack’, was vermuten lässt, dass sich der Kopf von Jim James, denn von ihm stammt das gesamte Konzept, nicht in weltlichen Gefilden Gedanken macht. My Morning Jacket gibt es erst seit ca. acht Jahren, aber ich frage mich schon, was da wohl noch kommen mag nach vier tollen Alben und der Krönung dieser in Form von „Okonokos“.
Verzeiht mir all die genannten Superlative, aber aus meiner Sicht ist „Okonokos“ das beste Live-Album der letzten 20 (!) Jahre. (Red Ink)
Kategorie: About Albums
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