Ben Kweller "Ben Kweller"
veröffentlicht am 29. September 2006 von Jörg
Langsam könnte man mir ein Faible zum Rezensieren von dritten Alben unterstellen, denn nach Mando Diao und den Long Winters handelt es sich für viele auch bei dem neuen Werk von Ben Kweller um sein drittes Album. Dabei vergisst man aber sein Debüt, welches hierzulande nur schwer erhältlich ist. Bisher war es bei Ben Kweller immer so, dass ich seine ruhigeren Songs wirklich großartig fand, die schnelleren Nummern aber manchmal auf standardisierte Emo-Pfade führten, natürlich trotzdem noch Klassen besser als die Bands dieses Genres. Genau da liegt jetzt aber die Qualität des neuen Albums, verbindet es doch diese beiden Pole zu einer Homogenität, die Ben Kweller nun endgültig und zu 100% bei mir ankommen lässt. Sein Gesang ist hervorragend, so dass man ihn und seine spezielle Art zu singen einfach lieben muss und sich im Gegensatz zu seinem Kumpel Adam Green nach einer Weile auch kein Nervfaktor einstellt. Wenn man von Homogenität spricht, macht es wenig Sinn, einzelne Songs herauszustellen, aber schon die ersten Songs des Albums sind so klasse, dass es danach nur schlechter werden kann – wird es aber nicht. Einige Songs erinnern an die besten Zeiten von Tom Petty, vor allem in den leichteren Momenten. Es ist eine wahre Freude, dieses Album zu hören und natürlich bietet uns der 25-jährige Multiinstrumentalist seine ganze Bandbreite. „Ben Kweller“ ist sein reifstes Album, es ist das Album mit der besten Produktion (Gil Norton) und das Album, das keinen schwachen Song enthält. Ben Kweller hat alles richtig gemacht! (Red Ink)
Ben Kweller „Live“:
11.11. München – Atomic Cafe
12.11. Köln – Gebäude 9
Kategorie: About Albums
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Badly Drawn Boy im Mandarin / Hamburg
veröffentlicht am 26. September 2006 von Jörg
Zunächst einmal die Frage, warum Badly Drawn Boy im Mandarin Kasino spielt, denn normalerweise finden dort Gitarren, Songwriter oder irgendwie Indie einfach nicht statt. So fühlte ich mich denn auch etwas deplatziert und konnte mich an dem Klischee-Soul-Türsteher mit weißer Wollmütze und Kevin Kuranyi-Bart kaum satt sehen. Der Gipfel der Deplatziertheit zeigte sich drinnen in einer überdimensionierten Clash-Projektion. Im Molotow wäre so was ja noch nett, aber hier einfach peinlich! Genug von Äußerlichkeiten, denn den Support des Abends übernahm Walter Schreifels (Ex-Gorilla Biscuits, Quicksand, Rival Schools und zuletzt Walking Concert), der ja durch erwähnte Bands eine Art Legende ist, nur kannten ihn von den ca. 500 Anwesenden neben meiner Wenigkeit vielleicht drei weitere Personen. Er spielte eine Art Best Of – Programm und man merkt schon, dass die meisten Songs für eine Band geschrieben wurden. War aber trotzdem ziemlich gut. Der Mann mit der Mütze (Parallele zum Türsteher?) ließ dann nicht lange auf sich warten und spielte in bester Laune vor allem viele neue Songs seines im Oktober erscheinenden neuen Albums. Ob sein Wechsel zum Major EMI auch damit zu tun hat, dass diese schon einen weiteren Schritt in Richtung Songwriter-Mainstream darstellen, sei mal nur vermutet, aber so richtig gute Stimmung wollte einfach nicht aufkommen. Das mag aber vielleicht auch am etwas deplatzierten Venue gelegen haben, in dem scheinbar nicht nur ich mir fremd vorkam.
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Popkomm/Reeperbahn-Festival-Nachlese
veröffentlicht am 25. September 2006 von Jörg
Ich habe mich dazu entschieden, diese Nachlese möglichst kurz zu halten, denn zum einen macht es ja wenig Sinn, jetzt über 1.500 oder wieviele Bands auch immer, zu berichten, auf der anderen Seite gibt es aber auch gar nicht viel zu sagen. Das Reeperbahn-Festival kränkelte vor allem an der recht geringen Zuschauerzahl, so dass einige Bands sogar vor weniger Leuten spielen mussten, als sie das auf ihrer eigenen Tour getan hätten. Auch hatten es die Clubs, die nicht direkt auf der Reeperbahn sind, schwerer und fraglich blieb, wen man denn eigentlich erreichen möchte. Klar wurde auch viel über die Ticketpreise und das Line-Up diskutiert, denn das eine rechtfertigte das andere kaum. Ich würde mich aber freuen, wenn man das Reeperbahn-Festival als Grundidee beibehalten und entsprechend an den kritiserten Punkten arbeiten würde.
Die Popkomm spricht dagegen mal wieder von einer erneuten Steigerung der Besucherzahlen, also wie in jedem Jahr, und ob das dann so stimmt, kann eh keiner nachvollziehen. Wie mir aber zu Ohren gekommen ist, war es vor allem am Donnerstag gut gefüllt und für viele somit auch der einzig relevante Tag. Über das musikalische Programm kann man dann ähnliches sagen wie beim Reeperbahn-Festival: Mehr Quantität als Qualität und vor allem viele Bands, die live reüssieren konnten, weil sie aus Ländern mit finanzstarken Export-Büros kommen. Es wäre wünschenswert, wenn man einfach ein wenig mehr Wert auf eine ausgewogene und qualitative Auswahl legen würde und das gilt in beiden Fällen!
Kategorie: About Shows
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The Long Winters "Putting The Days To Bed"
veröffentlicht am 22. September 2006 von Jörg
Vorab sollte ich zugeben, dass ich bei den Long Winters aus Seattle etwas befangen bin. Das liegt zum einen an meiner Liebe zu Seattle – ist halt wie Hamburg mit Bergen – zum anderen daran, dass ich die Band auch persönlich kenne, was aber auf reinem “Fan-sein” beruht. “Putting The Days To Bed” ist neben der Tatsache, dass es sich um einen genialen Albumtitel handelt, das dritte Album der Langen Winter und klingt doch gar nicht kühl. Im Gegenteil ist es sogar ihr mit Abstand positivstes und rockigstes Album. Das in hiesigen Breitengraden schwer zu erhaltende Debüt “The Worst You Can Do Is Harm” ist stellenweise düster und von Melancholie geprägt, der Nachfolger “When I Pretend To Fall” schon viel wärmer und fröhlicher und wartet mit Hits wie ‘Cinnamon’, ‘Blue Diamonds’ und ‘Scared Straight’ auf, die natürlich keine Hits geworden sind. Das neue Album knüpft nahtlos mit ebenbürtigen “Hits” wie ‘Fire Island, AK’, ‘Teaspoon’, ‘Ultimatum’ (bekannt von der gleichnamigen EP) und ‘Sky Is Open’ an und hat die Leichtigkeit, die die Vorgänger so nicht hatten. Klar kann jetzt jeder selbst entscheiden, ob ihm diese Leichtigkeit mehr liegt als der vorherige melancholische Faden, der hier nur noch selten durchscheint. Sänger und Songschreiber John Roderick hat uns natürlich sein mehr als charismatischen Gesang wieder mitgebracht und ihn kann man wirklich aus Millionen von Sängern immer heraus hören. Klar sind The Long Winters natürlich auch sehr von eben diesem geprägt und gepaart mit seinem Charme wird das dann besonders live zu einem wunderschönen Erlebnis. Neben der Tatsache, dass das Album vier Bonustracks bietet, ist “Putting The Days To Bed” eines der besten Spätsommeralben geworden. Am 31.10. präsentieren wir die Long Winters dann auch live im Rahmen von “About Songs” im Grünen Jäger zu Hamburg. (Munich Records)
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Schischiboat-Sause
veröffentlicht am 21. September 2006 von Jörg
Gestern war leider die letzte SchiSchiBoat-Sause auf der MS Hedi für dieses Jahr und was soll ich sagen, es war ein großartiger Abschluss, der vor Sentimentalität und Zynismus nicht zurück schreckte. Neben den beiden Machtclub-Machern Sven Amtsberg und Michael Weins, die einige Kurzgeschichten zum besten gegeben haben, die wirklich gut und erheiternd waren, gab auch der Hamburger Songwriter KARAMEL seinen textlich anspruchsvollen Senf dazu. Ein fast rundum gelungenes Vergnügen, denn die Hedi fährt ja während der ganzen Veranstaltung verschiedenste Strecken durch den Hafen und bei Abendsonne und Bier gibt es wohl weniger schönere Sachen. Warum ich trotzdem das Wort “fast” gebrauche, liegt in diesem Fall nicht an der Tatsache, dass ich immer etwas zu Nörgeln habe, sondern an dem recht schlechten DJ, der sich zwar selber ziemlich cool fand, aber man das Gefühl nicht los wurde, dass er zu jeder toten und lebenden Musikrichtung etwas beitragen wollte. Von peinlich pikiert bis mal ganz nett reichten meine Gefühle dabei, aber das große Talent der anderen konnte diese Mühelos wieder verbessern und so gibt es nichts als Vorfreude auf die nächste SchiSchiBoat-Saison!
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