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Veröffentlichung: 22. August


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Midlake - The Courage Of Others



Es ist ja nicht immer leicht mit den Erwartungen, die man an eine Band und ihren neuen Output hat und oftmals ist es leider so, dass diese Erwartungen dann enttäuscht werden, was aktuell wieder bei den neuen Alben von Spoon, White Rabbits, Get Well Soon oder auch Windmill dann auch eingetreten ist. Dabei sind das bestimmt keine schlechten Alben, nur hat der Vorgänger eine scheinbar zu große künstlerische Last auf die Schultern der Musiker gelegt.

Diese Befürchtung hatte ich selbstredend auch im Fall Midlake, deren zweites Album “The Trials Of Van Occupanther” zu meinen liebsten der letzten Jahre zählt, auf dem sogar noch Songs den wunderschönen Glanz anderer überstrahlten, was in Zeiten, in denen der Musikkonsument immer mehr einzelnen Songs bzw. Singles huldigt und das Album als solches vom Aussterben bedroht ist, durchaus hilfreich sein kann.

Dass der Nachfolger 3,5 Jahre benötigte und schon im Titel “The Courage Of Others” eine gewisse Unsicherheit erkennen lässt, führte nicht gerade zu weniger Skeptizismus, der allerdings, das sei hier schon erwähnt, völlig fehl am Platze war und mir das erste Album 2010 beschert, das mich in keinster Weise enttäuscht hat und am Jahresende in meiner Bestenliste schon einen Platz sicher hat.

Die Orientierung an längst vergessen geglaubte Musikgenres ist denn auch eine Konstante im Schaffen von Midlake, allerdings finden sich die Haupteinflüsse neben dem Americana der 70er nun vielmehr im englischen Folk der 60er und 70er Jahre und Bands wie Steeleye Span, Fairport Convention, Pentangle oder gar Barclay James Harvest. Dies macht sich sowohl in der Instrumentierung, d.h. keine Keyboards und Wiederentdeckung der Flöte, die sich wie ein roter Faden durch die Songs von Tim Smith zieht, als auch dem warmen, zeitlosen Sound bemerkbar. So könnte “The Courage Of Others” genauso vor 30 Jahren aufgenommen worden sein und doch kann man ihnen irgendwie nicht den Vorwurf reiner Retrogewandheit machen, denn Schönheit und großartige Songs in seltener Homogenität dargebracht können einfach nicht Retro sein, sondern immer irgendwie einem aktuellen Anspruch entspringen.

Diese Homogenität macht es noch schwerer als beim Vorgänger, einzelne Songs herauszustellen, weshalb ich darauf verzichte und es anderen überlasse, denn gerade in heutigen Zeiten, wo dem Album als solches eine Endlichkeit vorausgesagt wird, stimme ich in diesen Kanon des Niedergangs nicht ein und schwöre mit einigem Trotz, dass ich Midlake und ihr neues Werk “The Courage Of Others” immer am Stück hören werde, denn genau so entfaltet es seine einzigartige Magie, die mir wohlige Schauer über den Rücken schickt. (Bella Union)

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Fanfarlo - Prinzenbar (Hamburg)



Montagskonzerte zählen nicht zwingend zu meinen Stärken, aber wenn eine Band mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht wurde und mir das Album gut gefällt, guckt man sich diese dann auch gerne zum ersten Mal live an. Die Prinzenbar in Hamburg ist außerdem ein wunderschöner Ort, wenn an diesem Abend ziemlich überfüllt, da die Gästeliste natürlich auch entsprechend ausfiel.

Den Opener des Abends brachten die Engländer von Fanfarlo dann als Trio hinter sich und ich wunderte mich schon, wo der Rest steckte, aber beim zweiten Song war das Quintett dann komplett. Es soll hier ja weniger über Aussehen gehen, aber was das Frontduo da trug, entbehrte nicht einer gewissen Komik und es entstand das Gerücht, dass sie vielleicht eine Wette verloren haben – gut, Engländer sind ja auch nicht wirklich für ihren modischen Geschmack berühmt….

Musikalisch erinnerten Fanfarlo live noch viel mehr an ihre Vorbilder Arcade Fire, denn während das Album noch differenziertere Einflüsse erkennen lässt, so verkamen sie live fast zu einer Kopie, was ich als etwas störend empfand, aber die Band ist noch jung und man kann nur hoffen, dass sie mit dem nächsten Album eine etwas größere Eigenständigkeit und mehr Mut an den Tag legen, um vielleicht etwas näher an die Einzigartigkeit ihrer Helden oder einer Band wie Mumford & Sons zu kommen.

Dieses Resümee mag jetzt etwas negativer klingen, als das Konzert eigentlich war, denn was Fanfarlo zu bieten haben, ist schon interessant und mit vielen Versatzstücken und Instrumenten angereichert, auch wenn (schon wieder ein negativer Aspekt) nur wenige Songs des Debüt-Albums, das Anfang März erscheint, da mithalten können.

So fällt das Fazit mit “gute Band mit Entwicklungspotential” dann auch etwas nüchtern aus. Trotzdem fühlen sich Fanfarlo in der Reihe englischer Bands, die ziemlich amerikanisch bzw. kanadisch klingen, sichtlich wohl.

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Spoon - Transference



Spoon wird von vielen immer als ein tragisches Beispiel beschrieben, dass nach all den Jahren doch endlich mal ein größeres Publikum verdient.
Das ist bestimmt nicht verkehrt, aber dieses Schicksal teilen sie doch wohl mit einigen anderen dutzend Bands. Außerdem lässt ihr Stellenwert in der Heimat USA es immerhin zu, dass sie von der Musik nicht schlecht leben können.

Nun also “Transference” und würde es sich hier um einen Newcomer handeln, so könnte ich jetzt viel Lob über diesen ausschütten – klingt das Album doch rau, erwartungsvoll und zum Teil wohl bewusst anfängerhaft. Bei einer Band, die es seit 15 Jahren gibt, muss die Wertung da aber ein bisschen eingehender erfolgen und etwas anders ausfallen.
Zunächst lässt der Opener ‘Before Destruction’ aufhorchen und lockt ein schon fast auf eine falsche Fährte, denn hier sind alle Spoon-Stärken und ihr ureigener Charme vorhanden. Diesen können sie im weiteren Verlauf des Albums aber leider nur noch bei der ersten Single ‘Written In Reverse’, dem treibend-bluesigen ‘I Saw The Light’ und ‘Got Nuffin’ kompensieren.

Andere Momente sind aber derartig banal und ideenlos geraten, als würden hier alte Demos oder gar die langweiligen Stereophonics (‘Out Go The Lights’) herhalten. Irgendwie schleicht sich ein Gefühl ein, dass die Band um den immer noch schön brüchig singenden Britt Daniel es selber am besten weiß, dass “Gimme Fiction” (2005) ihren musikalischen Höhepunkt darstellte und diese Einsicht führt im Falle “Transference” zum weitermachen, aber sicher nicht zu einem neuen Meisterwerk. (Anti)

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Get Well Soon - Vexations



Nach allen berechtigten Erfolgen und Lorbeeren das Debüt-Album “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” betreffend, geht es nun zu dem meist so schweren Nachfolgewerk. Warum dafür das etwas antiquierte englische Wort für Ärgernisse “Vexations” herhalten soll, entzieht sich meiner Kenntnis, aber vielleicht bringt ein gewisser Erfolg diese ja auch mit. Belassen wir es mit Spekulationen und wenden uns diesem einfach zu.

Ganz so einfach ist das Zuwenden dann aber nicht, denn habe ich bei dem Debüt das Intro noch als passend gelobt, so ist es hier schlicht nichtig und da mit ‘Seneca’s Silence’ und ‘We Are Free’ eher Durchschnittliches folgt, scheinen meine Zweifel nicht unberechtigt gewesen zu sein. Klar sind Get Well Soon hier über jeden künstlerischen Zweifel erhaben und “Vexations” ist zum Glück wieder ein Album, mit dem man sich länger auseinander setzen muss, aber bei aller textlichen und instrumentalen Qualität bleiben große Songs nur zu oft auf der Strecke.

Es mag etwas komisch klingen, aber für mich beginnt das Album erst so richtig mit ‘A Voice In The Louvre’, dem perfekten Einstieg in ein großes Album. Tragisch und melancholisch und doch Großes versprechend – diesen Attributen setzt das düsterste Stück ‘That Love’ wohl die dornige Krone auf und läutet gleichzeitig die Höhepunkte des Albums ein.

‘Aureate’ heisst dieser und erschlägt einen mit genau dem orchestralen Mut, der Get Well Soon gut tut – und die Drums klingen wirklich toll, wenn ich das mal so dahersagen darf. ‘We Are Ghosts’ schließt sich dem nahtlos an, treibt jedem halbwegs vernünftigen Musikfan an und ein Lächeln auf die Lippen und stellt doch Fragen: “Are We Human Or Are We Dynamite?” – vielleicht die Hymne für Atheisten – endet dieser Song doch mit der Feststellung “God Is Dead”.
Schöne Kopfbilder bietet ‘A Burial At Sea’ und wer sich jetzt sagt, dass die Musik von Get Well Soon prädestiniert ist für diverse wunderbare Filme, dem sei der Hinweis gegeben, dass es das Album auch in einer limitierten Buchfassung mit Bonus-CD “Songs For/From Films” gibt, die noch mal 8 Titel beinhaltet, u.a. ‘Busy Hope’ und ‘Good Friday’ die man schon vom Soundtrack zu “Palermo Shooting” kennt, und das David Bowie – Cover ‘I’m Deranged’.

Zurück zum eigentlichen Album, denn wir nähern uns dem Ende mit dem im positiven Sinne recht poppigen ‘Angry Young Man’, was wohl auch die erste Single ist, um “Vexations” mit dem Quasi-Opus ‘We Are The Roman Empire’ verklingen zu lassen. Schon selten, dass ich bei einem Album eine Hälfte um Längen besser finde als die andere, aber hier ist dem so und darüber habe ich mir jetzt lange genug den geschwollenen Kopf zerbrochen…

Konstantin Gropper alias Get Well Soon möchte manches Mal noch immer zu viel und wurde mit seiner ernsten Unlockerheit zum Freund aller Feuilletonisten, trotzdem ist seine Verkopfheit mehr als authentisch und steht ihm doch etwas im Wege, denn mit einer kleinen Prise amerikanischer Unbedarftheit das Songwriting betreffend kann das dritte Album zu seinem musikalisch größten Werk werden – die Luft ist noch da. (City Slang)

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Krachkeks-Kolumne Folge 51 "The XX"



Natürlich ist es nie ganz fair, über einzelne Bands zu lästern und darum soll das Lästern am Anfang des neuen Jahrzehnts auch nicht so böse ausfallen. Das hat die Band dann nun auch wieder nicht verdient, zeigt dieses Beispiel doch auch, dass die Hype-Maschine noch lange nicht tot ist.

Zunächst muss ich dann hiermit auch einräumen, dass ich ein Opfer dieser Hype-Maschine geworden bin, denn ich habe mir das Debüt von The XX gerade vor wenige Wochen erst gekauft. Warum? Zum Beispiel, weil es in fast jedem Jahresend-Poll als DAS Album des Jahres gefeiert wurde und ich die Band vorher nur dem Namen nach wahrgenommen habe, da scheinbar noch nicht alle Lobeshymnen zu mir durchkamen.

Nun dachte ich in meiner fast 40-jährigen Naivität, dass doch nicht alle Musikliebhaber falsch liegen können, wenn sie eine Band derart loben. Klar, “naiv” klingt in diesem Zusammenhang fast noch zu lieb und beim Impulskauf tat das schön reduzierte Cover auch ein übriges.

Voller Erwartung ging es dann nach Hause und das Album gleich in den Player. Einmal gehört, ein zweites Mal und ein drittes Mal und was soll ich sagen – es passierte NICHTS!
Keine Angst, dies wird jetzt nicht die ungerechte Litanei über ein schlechtes Album, denn es ist beileibe nicht schlecht, nur ist es recht nett und belanglos. Der Vorteil von Alben, die nett und belanglos sind, liegt immerhin auf der Hand, denn man kann sich diese kaum überhören, da sie nicht hängen bleiben und auch nicht wehtun und genau das ist es, was die Leute heute wohl so wollen – dass ihnen keiner wehtut!

Ich bin da aber anders, denn ich erwarte von einem derart hochgelobten Album, dass es mich irgendwo emotional berührt und genau das tut es keine einzige Minute. Wie in meiner Bestenliste 2009 schon erwähnt, gab es nicht sehr viele Alben, die mich emotional berührt haben, aber ich habe ein gutes Gefühl, dass das 2010 besser wird und höre voller Melancholie gerade das neue EELS-Album “End Times”. (Young Turks)

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